PCP

 

PCP - gesundheitliche Risiken

PCP (Pentachlorphenol; CAS: 87-86-5), vor allem eingesetzt in Holzschutzmitteln; 

nicht zu verwechseln mit  PCB (polychlorierte Biphenyle)

Pentachlorphenol (Abkürzung: PCP) gehört zur Gruppe der Organochlorpestizide und ist wie auch Lindan ein starkes Gift für Mikroorganismen (Fungizid), Pflanzen (Herbizid), Insekten (Insektizid) und Fische. PCP ist ein geruchloser, weißer, nadelförmiger Feststoff. In Wasser ist es nur schwer löslich; gut dagegen in Alkohol und anderen organischen Lösungsmitteln.

PCP ist so wie DDT eingestuft als „möglicherweise Krebs erregend beim Menschen” und wird in vielen Fällen als Verursacher von MCS (Mulitple Chemikaliensensitivität) vermutet.

Pentachlorphenol war bis  zum Verbot in D 1986  neben Lindan lange Zeit der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff in Holzschutzmitteln. Noch Jahre nach der Anwendung entweicht es aus den behandelten Hölzern und kann bis heute auch noch durch Importprodukte in unsere Wohnungen gelangen. Zahlreiche Gesundheitsstörungen werden von Betroffenen immer wieder in Zusammenhang mit einer Holzschutzmittel-Belastung gebracht. (Siehe auch Stiftung Warentest: "Holzschutz - Altlasten auf der Spur"

 

Mehr Informationen zu den gesundheitlichen Risken mit Angabe der Informationsquellen  finden Sie in der Zusammenfassung "Raumschadstoff PCP"

 

Noch immer finden wir das Holzschutzmittel in vielen Gebäuden, die bis heute nicht saniert worden sind - (meist nachgewiesen durch Hausstaubuntersuchungen)

für Sanierungen gibt es in den Bundesländern spezifische Richtlinien.

(Beispiel Baden Württemberg)

 

"Holzschutzmittel sind die Hauptquelle für PCP, denn es war 40 Jahre lang das im Holzschutz am meisten verwendete Fungizid. Vor dem Verbot (1989) wurden PCP-haltige Holzschutzmittel im Wohnbereich z.T. in großen Mengen eingesetzt. Bis 1977 verwendete man überwiegend Mittel, die Lindan1 als Insektizid und PCP als Fungizid enthielten (Mischungsverhältnis ca. 1:10)

Akute Wirkungen

Bei der akuten PCP-Vergiftung stehen Stoffwechsel- und Kreislaufstörungen im Vordergrund. Tödliche Vergiftungen sind durch Bewusstlosigkeit, Herzversagen, Atemdepression und Lungenödem gekennzeichnet. Es kann zu Herzjagen, rascher Atmung und starkem Fieber kommen.

Weitere Symptome sind: Mattigkeit, Kopfschmerzen, Muskelspasmen, Muskelschwäche, Schwitzen, Durstgefühl, Krämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall.

Derartige Vergiftungsfälle traten bei hoher beruflicher Exposition mit PCP auf, siehe auch Link.

 

Chronische Wirkungen

Langzeitwirkungen einer PCP-Belastung sind generell nur schwer zu ermitteln. Vorrangig unspezifische Beschwerden erschweren den kausalen Nachweis, da sie auch andere Ursachen haben können. Z.B. können auch Verunreinigungen durch Dioxine und Furane oder Lösemittel für die unspezifischen Symptome verantwortlich sein. Bei beruflich exponierten Personen wurde häufig über Hautschädigungen berichtet. Wahrscheinlich sind diese jedoch auf Verunreinigungen durch Dioxine oder Furane zurückzuführen. Außerdem traten häufig Nerven- und Gelenkschmerzen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie Schleimhautreizungen auf. Das Beschwerdebild des sog. Holzschutzmittelsyndroms ist überwiegend unspezifisch und stellt sich als chronisches Ermüdungs- und Erschöpfungssyndrom dar: Genannt werden erhöhte Infektanfälligkeit, Hautausschläge, Gleichgewichtsstörungen, Schlaflosigkeit, Nachtschweiß, Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Nervenschmerzen, motorische Schwäche mit Muskel- und Gelenkschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Unverträglichkeit von Kaffee und Alkohol, Haarausfall und Kopfschmerzen."

 (Quelle Schadstoffberatung Tübingen)


 

Beeinträchtigung des Immunsystems

Verminderung der Abwehrlage:

In diesen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass die PCP-Exposition eine mäßige bis schwere Immundysregulation mit Verminderung der Abwehrlage induzieren kann.

Die Wahrscheinlichkeit einer verminderten Lymphozytenstimulierbarkeit war bei PCP-Blutspiegeln von über 10 µg/l signifikant vermehrt.

Bei PCP Blutspiegeln über 20 µg/l hatten 71% der Patienten einen veränderten Lymphozytenstimulationstest.

Die Erhöhung von PCP-Blutspiegel waren negativ assoziiert mit

  • der absoluten Lymphozytenzahl (p=0,002)
  • CD4/ CD8 ratio (p= 0,0015)

Die Erhöhung von PCP-Blutspiegeln waren positiv assoziiert mit

  • der Zahl der Monocyten (p = 0,0015)
  • IL 4 (p = 0,020)
  • dem Plasma-Neopterin-Spiegel (p < 0,0001)

 

Die Untersuchung des Immunstatus ist ein empfindlicher Indikator zur Objektivierung der Pentachlorphenol-Belastung. (DANIEL et al, 1993, 1995, 2001)

http://www.umweltbedingt-erkrankte.de/krankheitsbilder/14-innenraumschadstoffe.html

Belastungen durch chlororganische Schadstoffe:

 Die Belastungen durch chlororganische Schadstoffe wie PCP und PCB sind assoziiert mit einer reduzierten In-vitro-Lymphozytenstimulation mit den Absolutzellzahlen der verschiedenen Lymphozytensubpopulationen, mit Zytokinerhöhungen und mit Erhöhung der Autoantikörper-„

http://www.cfs-aktuell.de/Huber.pdf (Seite 2)

 

Infos zu Sanierungen 

 

Infos zu Vorkommen in der Umwelt: Link

 

 

Orientierungswerte/ Richtwerte/ Grenzwerte - Messmethodik

Siehe dazu auch  Hausstaubuntersuchung oder Raumluftmessung

 

Es ist schwierig, hier aussagekräftige Informationen bezüglich "Sanierbedarf" in Innenräumen zu finden.

 

Pentachlorphenol wurde als krebserzeugend eingestuft (Kategorie 2 der MAK-Werte-Liste). Daher gilt grundsätzlich das Minimierungsgebot. Um gemessene PCP-Konzentrationen einschätzen zu können, wurden Beurteilungswerte für verschiedene Umweltmedien und Produkte festgelegt.

 

 

Luft (Innenraum):      

0,1 µg/m³ Richtwert  I   (Vorsorge)                   

1  µg/m³ Richtwert   II   (Intervention)   UBA Richtwerte

 

                                 

Produkte, z.B. Lederwaren, Holzerzeugnisse u.a.:

5 mg/kg Höchstmenge von PCP und Na-PCP                       ChemVerbotsV 2003

 

 

Hausstaub:              

2,9 mg/kg Hintergrundwert, 95 %-Perzentil  Becker et al. (2002)

AGÖF nennt einen Auffälligkeitswert im Hausstaub von 1 mg/kg

 

Für Menschen mit "reduziertem" Immunsystem, Kleinkinder, Allergiker, Umwelterkrankte (unter anderem MCS) - vor allem aber Betroffene, die durch erhöhte Holzschutzmittelkonzentration dauerhaft "geschädigt" wurden, reichen auch wesentliche geringere "Belastungswerte" um zu massiven Beschwerden zu führen.

 

Siehe auch EGGBI: "Gesetzliche Grenz- und Richtwerte" 

und Übersicht: Richtwerte...

 

 

Wir bevorzugen zur Feststellung der Raumluftbelastung mit PCP und anderen schwerflüchtigen Stoffen wie PAKs, Schwermetalle vor allem in Schulen und Kitas eine

Hausstaubuntersuchung,

da diese eine sehr eindeutige Orientierung bezüglich der Raumbelastung gibt.

 

Luftmessungen im ruhenden Raum  (auch mit "stärkerer" Probenahme Pumpe) berücksichtigen nicht die Tatsache, dass schwerflüchtige Stoffe und auch Fasern vor allem im Staub gebunden sind, in besetzten Klassenzimmern aber dieser Staub erst wirklich hochgewirbelt und eingeatmet wird, und damit eine völlig andere Belastung der Betroffenen stattfindet als bei der Raumluftmessung.

Für Raumluftuntersuchungen sehen wir daher ebenfalls wie bei Asbest (hierbei vorgeschrieben) eine "Nutzungssimulation" durch entsprechende "Verwirbelung" der Raumluft.

Siehe dazu:

 

Normgerechte Messung von Asbestbelastung

 

AGÖF-Orientierungswerte für mittel- und schwerflüchtige organische Verbindungen und Schwermetalle im Hausstaub

Probenahme:  VDI-Vorschrift 4300, Blatt 8

 

 

 

Probenahme und Messung von PCP -  Luftmessungen VDI

 

Drei VDI-Richtlinien der Kommission der Reinhaltung der Luft im VDI und DIN regeln die Probenahme und Messung von PCP in Innenraumluft:

• VDI-Richtlinie 4300 Blatt 4: Messen von Innenraumluftverunreinigungen – Messstrategie für Pentachlorphenol (PCP) und γ-Hexachlorcyclohexan (Lindan) in der Innenraumluft,

• VDI-Richtlinie 4301 Blatt 2: Messen von Innenraumluftverunreinigungen – Messen von Pentachlorphenol (PCP) und y-Hexachlorcyclohexan (Lindan) – GC/MS-Verfahren,

• VDI-Richtlinie 4301 Blatt 3: Messen von Innenraumluftverunreinigungen – Messen von Pentachlorphenol (PCP) und y-Hexachlorcyclohexan (Lindan) – GC/ECD-Verfahren. 6 Pentachlorphenol-Verbotsverordnung (1989), heute geregelt durch die Chemikalienverbotsverordnung (2017) A

 

 

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PCP in den Medien

TV Sendung "WISO Giftiger Holzschutz- keine Hilfe für Betroffene" und

"Die Holzschutzmittelopfer"

 

Bekannt wurde PCP (und Lindan) vor allem durch den Holzschutzmittelprozess.

Es war der größte Umwelt-Strafprozess der Bundesrepublik: Im Frankfurter Holzschutzmittelprozess legte der damalige Staatsanwalt Erich Schöndorf eine 645- seitige Anklageschrift vor, in der 2300 Anzeigen von Kranken und Langzeitgeschädigten zusammengefasst waren, die durch Holzschutzmittel geschädigt waren."

Buchtipp zum Prozess: Prof. Erich Schöndorf Von Menschen und Ratten

 

Siehe auch EGGBI - "Schadstoffsanierung"

und bayerisches Verbraucherportal

 

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"Folgebelastungen" aus dem früheren PCP Einsatz

Vor allem in älteren Fertighäusern, die zur damaligen Bauzeit  (damals "Stand der Technik") mit Holzschutzmitteln behandelt wurden, findet sich immer wieder eine extrem unangenehme Geruchsbelastung.


ARGUKhat bereits Anfang des Jahres 2000 Chloranisole auch in der Raumluft von Innenräumen nachgewiesen. In Innenräumen werden diese Stoffe nicht direkt eingesetzt, können aber aus Verbindungen wie Phenolen, Chlorphenolen oder Chlorbenzolen in Verbindung mit mikrobieller Aktivität entstehen. Schimmelpilze der Gattung Penicillium und Trichoderma oder Bakterien sind daran oft maßgeblich beteiligt.

"Ein möglicher Reaktionsmechanismus ist dabei die Biomethylierung von Trichlorphenol. Der Abbau von Pentachlorphenol (PCP) durch eine Pseudomonas-Bakterienart wurde durch Watanabe (1973, nach Fiedler et al. 1996) beschrieben. Auch Trichoderma-Stämme sind bekannt, PCP abzubauen - insbesondere Trichoderma virgatum fördert die Methylierung von PCP zu Pentachloranisol. Andere Pilzarten können auch niedriger chlorierte Chlorphenole zu Chloranisolen methylieren (Fiedler et al. 1996, Galler 2011).Ein Feuchteschaden im klassischen Sinn ist bei der Bildung von Chloranisolen nicht gegeben, d.h. eine erhöhte Belastung der Raumluft mit feuchteschaden-bedingten Schimmelpilzsporen spielt hier keine Rolle." (Quelle AGÖF)

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