Styrol

 

Minimierungsgebot für styrolbasierte und styrolhaltige Bau-Produkte

Siehe dazu vor allem auch aus meiner Schriftenreihe - stets aktualisiert die

sehr umfassenden Zusammenfassungen vor allem zu den gesundheiltichen Risiken:

 



 

 

Inhalt dieser Seite:

Allgemeine gesundheitliche Bewertung - Entsorgung

Orientierungswerte - Richtwerte

Styrol- Berufskrankheiten (Krebs) und Arbeitsschutz

Styrol - Aussenluft - Immissionsschutzgesetz

Brandgefahr und andere Risiken durch Polystyrolfassaden

Innenraumbelastungen durch Fassaden- und Dachprodukte

Pumpeffekt Fußboden - Schadstoffe auch aus Estrichdämmung

Entsorgung von Polystyrolprodukten -" ökologischer" Dämmstoff?

 

Gesundheitliche Bewertung - krebserzeugend

 Weltgesundheitsorganisation WHO – IARC:

 

"Die Arbeitsgruppe der WHO Institution IARC stufte

 

Styrol in Gruppe 2A ein, „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“, basierend auf begrenzten Nachweisen beim Menschen und ausreichenden Nachweisen für Versuchstiere auf Karzinogenität. Starke Beweise für einen Mechanismus, der auch beim Menschen funktioniert, stützten die Einstufung von Styrol der Gruppe 2A. Styrol wird schnell absorbiert, in Fettgewebe weit verbreitet und in Menschen und experimentellen Systemen weitgehend metabolisiertÜberblick März 2018

Siehe dazu auch Zusammenfassung:

Styrol von WHO als "wahrscheinlich krebserzeugend" eingestuft

Weitere Bewertungen

 Styrol - "starkes Nervengift, Verdacht auf krebserzeugende und erbgutschädigende Wirkung, wasser- gefährdend, gesundheitsschädlich beim Einatmen; kann Atemwege, Verdauungswege und Augen reizen, Hirnfunktionsstörungen möglich" [Zwiener95], [enius], [ECOBIS] (Quelle Datenbank ecobine - Bewertung von Polystyrol)

 

"Styrol (Vinylbenzol) wird in großen Mengen als Monomer für die Kunststoffherstellung verwendet. Es dient zudem als Lösemittel und zur Herstellung von Gummi, Latex und Fiberglas.

 

Die Dämpfe von Styrol sind schwerer als Luft. Die Substanz wirkt augen- und schleimhautreizend; bei direktem Kontakt mit der Haut verursacht sie ein Erythem (Hautrötung), bei längerer Einwirkung entzündliche Erscheinungen.

 

In Bezug auf die akute Toxizität stehen neurologische Störungen wie Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche, bei höheren Belastungen auch EEG-Veränderungen und eine Verlängerung der Reaktionszeiten im Vordergrund.

 

Chronisch-toxische Wirkungen sind neben neurologischen Schäden auch Veränderungen im Blutbild sowie Schädigungen der Leber und der Bronchialschleimhaut." (Neuropsychologische Störungen bei niedriger Dosierung, Hans Böcklerstiftung)

 

Weitere Zitate:

 

„Zahlreiche Verbraucherprodukte (Teppichböden, Lacke, Haushaltsgeräte, etc.)können wegen des verbleibenden Gehaltes an Restmonomeren Styrol an die Innenraumluft abgeben, dies allerdings meist nur in relativ geringem Ausmaß.

 

Im Allgemeinen klingt die Belastung im Lauf der Zeit deutlich ab. In Einzelfällen, etwa wenn Styrol enthaltende Kunstharze nicht aushärten, sind auch noch nach Jahren erhöhte Konzentrationen in der Raumluft möglich.

 

Langanhaltende Styrol –Emissionen wurden in Einzelfällen bei Feuchteabdichtungen auf Polyesterbasis sowie bei EPS – Schaumstoff beobachtet.

In Einzelfällen konnte nachgewiesen werden, dass Styrol auch durch eine undichte Gebäudehülle aus einer Quelle im Außenbereich in die Innenraumluft eintreten kann.

 

Der Übertritt aus den Räumlichkeiten Kunststoff verarbeitender Betriebe in unmittelbar benachbarte Innenräume kann ebenfalls zu einer erhöhten Konzentration an Styrol in Innenräumen führen" (Bewertung der Innenraumluft – VOC-Styrol; Tappler 2002). 

 

 

Zitat Robert- Koch-Institut (aktuelle Homepage!):

 

Bei intensivem beruflichem Kontakt mit Benzol oder Benzolderivaten[1] wird ein multiples Myelom unter bestimmten Bedingungen  als Berufskrankheit anerkannt.    

Textquelle Robert- Koch- Institut 


[1] Styrol zählt zu den Benzolderivaten (https://www.chemie.de/lexikon/Benzolderivat.html)

 

"Hinweise auf tumorauslösende Wirkung von Styrol beim Menschen"

Ergebnisse der experimentellen Forschung im BfR sind für die Neubewertung des Altstoffes von Bedeutung (BfR Bundesinstitut für Risikobewertung 2006!)

 

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Orientierungswerte - Richtwerte- Grenzwerte

Styrol

Synonyma:            Phenylethen
                                    Phenylethylen
                                    Monostyrol
                                    Vinylbenzol
                                    Cinnamol
                                    Ethenylbenzol

CAS: 100-42-5

EG Nr. 202-851-5

Stoffgruppe: aromatische Kohlenwasserstoffe

 

 

1.1      Innenraumluft

1.1.1     Umweltbundesamt- Richtwerte für die Innenraumluft:

 

Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte definiert die Richtwerte 1 und Richtwert 2 für die Innenraumluft für Styrol mit

R2 = 300 µg/m³; R1 = 30 µg/m³  (Richtwerte aktuell)

1.1.2     AGÖF Orientierungswerte für Innenräume:       

Styrol 12 µg/m³;

Ethylbenzol (in Polystyrolprodukten enthalten): 4 µg/m³  (AGÖF Orientierungswerte)

  

1.1.3     Anforderungen Gebäudezertifkat S-Cert

Das Gebäudezertifikat S-Cert hat einen Grenzwert von 10 µg/m³ festgelegt.

 

1.1.4     Anforderungen weitere Gebäudezertifikate

TÜV Toxproof, BDB, DGNB orientieren sich am UBA Richtwert 1 mit 30 µg/m³

 

1.1.5   EU-GHS-Einstufung und Kennzeichnung

Gefahrenhinweise - H-Sätze:
H226: Flüssigkeit und Dampf entzündbar.
H332: Gesundheitsschädlich bei Einatmen.
H315: Verursacht Hautreizungen.
H319: Verursacht schwere Augenreizung.
H361d: Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen.
H372: Schädigt die Organe bei längerer oder wiederholter Exposition.
-------- Betroffene Organe: Hörorgane  

weitere INFOS: GESTIS Stoffdatenbank 

 

 

1.2      Bauprodukte

1.2.1     NIK-Wert (AgBB Schema – UBA) für Bauprodukte:

Das AgBB Schema definiert für Bauprodukte eine NIK-Wert von 250 µg/m³ (Übernahme vom EU LCI Wert)

1.2.2     Natureplus/ eco- Institut Label: 

Grenzwert für Bauprodukte:  10 µg/m³

 

Diese Grenzwerte/Orientierungswerte werden von Polystyrolprodukten (Voraussetzung Emissionsprüfung entsprechend AgBB/ neutrale Probenahme durch Institut! aus aktueller Handelsware) keineswegs immer eingehalten. (EGGBI Informationsstand November 2023)

 

EGGBI empfiehlt auf Grund der gesundheitlichen Bewertungen, grundsätzlich styrolhaltige, styrolbasierte Produkte präventiv für Gebäude mit erhöhten Anforderungen an die Wohngesundheit möglichst zu vermeiden, vor allem auch um eine Akkumulierung der Belastungswerte durch den mehrfachen Einsatz  solcher Produkte (Lacke, Teppichrücken, Dämmstoffe, Kleber...) zu verhindern.

Vor allem für Chemikaliensensitive, die sehr oft bereits bei minimalen Konzentrationen auf Styrol- aber auch auf die noch immer verwendeten Flammschutzmittel bei Polystyrolprodukten reagieren können, ist der Einsatz solcher Produkte grundsätzlich abzulehnen.

Mangels erhältlicher Informationen gelten diese Vorbehalte auch gegenüber den (auch bei Polystyrol eingesetzten) sogenannten "neuen Flammschutzmitteln" .

 

 

Eine Zusammenfassung der EGGBI Vorbehalte gegenüber styrol-basierten und styrolhaltigen  Produkten: 

 

EGGBI Diskussionsbeitrag zu Styrol  

 

Innenraumluftbelastung durch Fassaden- und Dachprodukte

siehe auch "Gesundheitsrisiken in Gebäuden"

und "gesundheitliche Auswirkungen von Raumschadstoffen"

 

 

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Styrol - Berufskrankheiten wie Krebs und Arbeitsschutz

Nach wie vor finden sich Gutachter, die mithelfen eine Anerkennung als "Berufskrankheit" zu verhindern - dies trotz entsprechender Einstufung als krebserzeugend und zahlreicher aktueller Fachliteratur zu diesem Thema.

Siehe dazu Beispiel:

"Gutachten" zur "Ablehnung einer Anerkennung Krebs durch Styrolbelastung als Berufskrankheit"

Offensichtlich berufen sich auch manche deklarierte "Ärzte für Arbeits- und Umweltmedizin" auf längst überholte "Fachliteratur" und ignorieren selbst Aussagen staatlicher Institutionen.

Bedauerlicherweise fehlt auch vielen Anwälten ausreichendes Engagement, die Qualifikation solcher Gutachter zu hinterfragen und entsprechend zu recherchieren.

Styrol am Arbeitsplatz stellt gerade bei der Arbeit mit Flüssigabdichtungen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar - vor allem wenn dabei auf den eigentlich erforderlichen Atemschutz "verzichtet" wird.

 

 

Brandgefahr und andere Probleme durch Polystyrolfassaden

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Aktueller TV Bericht 25.06.2019 ARD: "Risiko Styropor"

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Seit vielen Jahren warnen Experten, Feuerwehrmänner vor Risiken von Polystyrolfassaden.

Bisher schien die Politik unbeeindruckt - es bedurfte einer Brandkatastrophe in London, um deutsche Politiker  "auszuwecken".

Einen Tag nach diesem Brand erklärte Bayerns Innenminister Herrmann:

Zwar halte er einen derartigen Fassadenbrand an einem Hochhaus in Deutschland für "so gut wie ausgeschlossen", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). "Wir nehmen das jedoch zum Anlass und werden überprüfen, ob die aus energetischen Gründen geforderte Außendämmung eine zusätzliche Brandgefahr auslöst." (Quelle )

 

Offensichtlich wurden bisher entsprechende Presse- und TV Berichte von der Poltik völlig ignoriert.

Beispiel:

Anders als in Frankreich und Österreich wurden hier auch Forderungen nach höherer Brandsicherheit des Deutschen Feuerwehrbandes bei der "Zulassung" von Fassadendämmungen ignoriert - (siehe Positionspapier des" Deutschen Feuerwehrverbands" und der AGBF Bund = Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren).

Mutiger Schritt der hessischen Architekten: sie möchten Polystyrolprodukte für Fassadendämmungen grundsätzlich verbieten lassen. Statement 2017

 

Neben Fragen der Brandgefahr mit hochtoxischen Brandgasen sind aber auch die gesundheitlichen Risiken der eingesetzten Flammschutzmittel, Fragen der Entsorgung, " aber auch der Nachhaltigkeit (Rohstoff Erdöl!, Dauerhaftigkeit der Fassade") zu beachten.

 

Brände in Deutschland unter Beteiligung von Styropor

"Die Feuerwehr Frankfurt hat nach einem verheerenden Brand an einem leer stehenden Haus in Frankfurt am Main im Mai 2012 beschlossen, Brände in Deutschland unter Beteiligung von Styropor zu dokumentieren. Die - nicht vollständige - Liste erfasst von 2001 bis 2017 fast 100 Brände. Brandursachen waren unter anderem Brandstiftung, brennende Müllcontainer, brennende Motorräder, Wohnungsbrände und Brände auf dem Balkon." (Quelle SWR, 20.06.2017)

 

Auflistung von Presseberichten und TV Sendungen zu allgemeinen und Brand- Problemen von Polystyrol-Fassaden

Presse:

28.11.2011 Finanznachrichten- Polystyrol als Brandbeschleuniger

28.11.2011 Spiegel Online: "Styroporplatten an Fassaden

22.04.2012 "Wenn Fassaden brennen" (Güven Purtul)

05.11.2014 NDR "Hohe Brandgefahr"

01.12.2014 "Verdämmt noch mal" (Süddeutsche Zeitung)

01.12.2014 Häuser mit Styropordämmung können zur Feuerhölle werden" (INGENIEUR.de)

09.02.2015 Die Brandgefahr in der Fassade (Berliner Zeitung)

23.07.2015 Feuer an der Fassade (Süddeutsche Zeitung)

06.11.2015 Die Brandgefahr an der Hausfassade (Mittelbayerische Zeitung)

15.05.2016 "Heller Wahnsinn- Schwarzer Rauch" (Sicherheitsberater)

19.06.2016 Duisburger Brandtragödie

13.09.2016 Hamm - "Fassade abgebrannt" (wa.de)

30.09.2016 Wer mit Styropor dämmte, hat "Sondermüll an der Fassade" (Rhein-Neckar Zeitung)

03.01.2017 "Der Dämmstoff, aus dem die Albträume sind" (manager magazin)

15.06.2017 Londoner Brand facht Kritik an

15.06.2017 So brandgefährlich sind Fassaden

09.07.2017 erhöhte Todesgefahr bei entflammten Dämmfassaden

12.07.2017 Architekten wollen Styropor-Dämmungen verbieten lassen 

 

TV Sendungen

23.09.2011 Energiewende - die Wärmedämmung mit Styropor (frag Odysso)

28.11.2011 Wahnsinn Wärmedämmung (NDR)

04.12.2011 Fragwürdige Polystyrol Fassaden (Das Erste)

24.01.2012 Styropor muss verboten werden (3 Sat)

26.11.2012 Wärmedämmung: Der Wahnsinn geht weiter

25.07.2013 WDV System Hochausbrand in Roubaix

06.07.2012 Wie aus Häusern Brandfallen werden (Das Erste)

26.02.2014 Der Betrug mit der Fassadendämmung (Monitor)

18.01.2015 Fassadendämmung als Brandbeschleuniger (ZDF)

04.03.2015 Leicht entflammbar (SWR)

09.04.2015 Dämmwahn (Nano)

10.10.2015 Fassadendämmung - das Märchen vom Energiesparen (WDR)

17.10.2015 Fassadendämmung aus Polystyrol brennt problemlos

23.11.2015 NDR Reportage Wärmedämmung

20.01.2016 Wärmedämmung: Todesfalle Styropor (Welt der Wunder)

27.03.2018 "Ring of Fire"

 

Siehe dazu auch Raumschadstoff Styrol

 

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Innenraumbelastung durch Produkte im Außenbereich

Vor allem bei sommerlicher Dach- und Fassadenerhitzung auf über 70 Grad C über die  Haupt-Eintrittsquellen Lüftungsöffnungen und Fenster.

 

Allgemein:

Durch Undichtigkeiten in der Gebäudehülle, aber auch durch Lüftungsschächte können Schad-und Geruchsstoffe von einem Bereich eines Gebäudes in andere Bereiche strömen (interzonaler Schadstofftransfer).

Quelle: Tagungsband "Gesunde Raumluft" 2004 (Seite 10)

 

Aus diesem Grunde berücksichtigt EGGBI bei Gebäudeplanung für Bauherren mit besonderen gesundheitlichen Anforderungen (Allergiker, MCS) generell auch Fassadenprodukte (Dämmung/ Fassadenfarben) und Dachprodukten  (Folien, Dämmungen)

 

Mehr Infos und Beispiele (auch zu Styrol) zu diesem Thema


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Pumpeffekt Fussboden - Schadstoffe aus Estrichdämmung am Beispiel Schimmelsporen

 

"Bei schwimmend verlegten Estrichen stehen die Hohlräume des Unterbodens und auch die Wärmedämmung über die Randfugen mit der Raumluft in Verbindung. Vor allem beim Betreten des Fußbodens/Estrichs entsteht durch die Be- und Entlastung ein Pumpeffekt, der dort gewachsene Schimmelpilzsporen in relevanten Mengen in die Raumluft fördert. Gesundheitsschäden können die Folge sein.

Bei einem Schimmelbefall unter dem Estrich wird mitunter empfohlen, den kompletten Fußboden auszubauen.
(Parkett Magazin 05/15)

 

Achtung

Dieser Pumpeffekt kann natürlich auch zu Innenraumbelastungen führen, wenn es sich um Schadstoffe aus Dämm- Material oder Bodenklebern handelt (Beispiel PAK, natürlich aber auch Terpene;   Essigsäure Formaldehyd und weitere Emissionen aus Holzprodukten, Styrol u.a.)

 

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Entsorgung und "Ökobilanz?" von Polystyrolprodukten

 

Nach wie vor nicht geklärt ist die sogenannte "Wiederverwertung" von Wäremdämmverbundsystemen aus Polystyrol - ein"sauberes"  Recycling ist grundsätzliuch nur mit reinem Polystyrol ohne Putz- und Kleberesten möglich.

Zudem ist bisher der Baustoffhandel nicht bereit, ein kostenloses "Rücknahmesystem" zu etablieren - der Verbraucher bleibt somit in der regel auf Rückbaumaterial "sitzen" und muss für die Entsorgung bezahlen.

 

"Entsorgung" als Sonderabfall?

Jahrelange Auseinandersetzung gab es auch bezüglich der Entsorgung HBCD haltigen Polystyrols- letztendlich hat sich auch hier letztendlich die Industrie erneut durchgesetzt.

Inzwischen ist zwar HBCD verboten - nicht nachhaltig (!) geklärt ist allerdings die tatsächliche Unbedenklichkeit der nunmehr verwendeten Alternativflammschutzmittel.

"Ungefährlicher Abfall"

Erlass: Entsorgung von Abfällen, die HBCD enthalten, und anderer nicht gefährlicher Abfälle, die persistente organische Abfälle enthalten, nach Inkrafttreten der POP-Abfall-Uberwachungs-Verordnung

Vorgeschichte:

Neue Einstufung des Dämmmaterials ab Frühjahr 2016  (aktualisiert am 15.4.2016 durch Umweltbundesamt: ab 1.10.2016)

Flammhemmer HBCD

Hexabromcyclododecan (HBCD) soll im Brandfall verhindern, dass sich ein Feuer an der Fassade schnell ausbreitet. Doch HBCD gilt laut Europäischer Chemikalienagentur als "besonders besorgniserregend":  Es reichert sich in der Natur und in Organismen an und steht im Verdacht, die Fortpflanzung zu schädigen. Im Brandfall stehen HBCD-belastete Dämmplatten zudem unter Verdacht, die Entstehung von hochgiftigen Dioxinen und Furanen zu ermöglichen.

Nach Informationen von 45 Min müssen ausgediente Dämmplatten aus Polystyrol jedoch künftig als Sondermüll behandelt werden. Der Parlamentarische Staatsekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Florian Pronold (SPD), bestätigte dem NDR, dass derzeit die Abfallverzeichnisverordnung novelliert werde. Im Frühjahr 2016 solle die neue Regelung in Kraft treten. Dann gelten beim Abriss einer Wärmedämmung aus Polystyrol neue Regeln: Galt diese bisher als Kunststoffabfall oder gemischter Bauabfall, so stuft sie der Gesetzgeber künftig als gefährlichen Abfall ein, also Sondermüll.

 

Entsorgung wird sich für Hausbesitzer massiv verteuern

Die Beseitigung einer Wärmedämmung mit dem am häufigsten verwendeten Dämmstoff in Deutschland dürfte sich für Hausbesitzer massiv verteuern, da die bisher üblichen Entsorgungswege nicht mehr zulässig sind. Zudem muss die Entsorgung lückenlos dokumentiert werden.

Zitat: NDR - siehe dazu auch Baulinks

 

siehe dazu auch EGGBI Aktuelles

 

Keine Sorge zu den  Aussagen von Staatssekretär Pronold im November 2015 machte sich offensichtlich der Industrieverband

In einer Aussendung vom Dezember 2015 meldet er:

In einer Fernsehsendung im NDR wurde die Entsorgung von EPS – also Styropor – als Sonderabfall eingestuft. Dies liegt am Brandschutzmittel HBCD, welches inzwischen in neuen EPS Dämmstoffen ersetzt wurde. Dass EPS dann als Sonderabfall mit hohen Kosten belegt wird ist nicht richtig, es wird nach wie vor im Moment noch thermisch verwertet. Für eine stoffliche Verwertung gibt es derzeit noch zu wenig Abfallaufkommen, sodass kein wirtschaftliches Recycling möglich ist. Bericht

 

Hervorragende "Lobbyarbeit" führte schließlich dazu, dass die "Sonderabfall- Einstufung" wieder fallengelassen wurde:

13.07.2017 Handwerkerzeitung:

HBCD-haltige Dämmstoffe dürfen künftig wieder in allen Verbrennungsanlagen entsorgt werden. Der Bundesrat hat eine Verordnung beschlossen, um die Übergangslösung für das Entsorgungsproblem zu ersetzen.

 

 

 

Ob der hochgiftige Flammschutz HBCD (und seine Nachfolgeprodukte) überhaupt hält, war er verspricht, ist angesichts zahlreicher Brandfälle mit Polystyrolprofukten ohnedies in Frage zu stellen - siehe dazu aktuelle Presseberichte::

Ausbreitung des Feuers in der Fassade "wie an einer eine Zündschnur" (17.05.2016) Aussage eines Feuerwehrmannes bei dem Duisburger Brandunfall mit mehreren Toten

Dazu ein weiterer Kommentar

 

Es handelt sich hier um die Wiedergabe von mir zur Verfügung gestellten Informationen – und nicht um eine "Studie".

Korrekturwünsche werden nach Möglichkeit umgehend berücksichtigt, für die Meldung von sachlichen Fehlern und nicht funktionierender Links bin ich  dankbar.

 

"Styropor ist ökologisch?"

Massive Werbung der Hersteller mit ihrem ökologischen Erdölprodukt, "abgesichert" durch eine mindestens zu diskutierende Studie(?)  zweier Institute  (IFEU und natureplus) aus 2019 verunsichert den "kritischen" Verbraucher (meine Beratungszielgruppe)  im Hinblick auf die "Unbedenklichkeit" von Polystyrolprodukten.

Stellungnahme zu dieser IFEU- natureplus Studie

Unter dem Titel "Ganzheitliche Bewertung von verschiedenen Dämmstoffalternativen" veröffentlicht das IFEU Institut die Ergebnisse einer "Studie" zur Ökobilanz verschiedener Dämmstoffe, welche von der Polystyrol- Industrie seither massiv in der Werbung für ihren "ökologischen Dämmstoff" eingesetzt wird.

Abgesehen davon, dass wirklich nachhaltige Dämmstoffe, vom Studien- Mitverfassers "natureplus" auch "ausgezeichnet"  (Dämmstoff Schafwolle), überhaupt nicht ausreichend berücksichtigt wurden, bezieht sich meine massive Kritik auf den Titel der Studie "ganzheitlich".

 

Es fehlt mir an Kompetenz und an Informationen, um die Ökobilanzierung zu kommentieren -

"ganzheitlich" müsste aber auf jeden Fall auch den Aspekt "gesundheitlicher Unbedenklichkeit" beinhalten – der Begriff Gesundheit scheint aber in der gesamten Studie nur zweimal auf:

 

Einmal im Zusammenhang mit der "Abfallgesetzgebung" (Seite 73)

und einmal  mit der beruhigenden Aussage, das hochtoxische Flammschutzmittel HBCD würde inzwischen ohnedies nicht mehr eingesetzt. (Seite 62- letzte Zeile)

 

Während es mir bis  heute nicht gelungen ist, von den Polystyrol Herstellern aussagekräftige Nachweise der  gesundheitlichen Unbedenklichkeit des nunmehr verwendeten Flammschutzmittels "Polymer FR" (Kapitel: 4.6.7) zu erhalten,

werden vor allem auch die gesundheitlichen Risiken durch den Basisstoffes "Styrol"  völlig ignoriert, teilweise bereits 2001 von einem natureplus Gründungsinstitut publiziert:

Styrolbelastungen in Innenräumen – Fallbeispiele

Zitat daraus – Bremer Umweltinstitut:

"Styrol (Vinylbenzol) wird u.a. als Lösungsmittel und Reaktionspartner für ungesättigte Polyesterharze, hauptsächlich aber zur Herstellung von Polystyrol, und Styrol-Copolymeren beispielsweise mit Butadien, Acrylnitril etc. verwendet. Weiterhin ist Styrol eines der wichtigsten Monomere zur Herstellung von Thermoplasten [1]. Damit verbunden kommt es auch zu einem Einsatz von Styrol-haltigen Dichtungs- und Dämmmaterialien in Gebäuden"

 

Noch wird Polystyrol von "natureplus" nicht als Baustoff für

"klimaschützendes und gesundheitsverträgliches Bauen und Wohnen – mit nachhaltigen Baumaterialien und Bauweisen"  zertifiziert und beworben:

Angesichtes des Ergebnisses dieser "ganzheitlichen Betrachtung von Polystyrol" in der besagten "Studie"  auch durch natureplus " ist aber auch dies absehbar!

Für den Verbraucher, der auf verlässliche Informationen angewiesen ist, wird es immer

schwieriger, glaubwürdige Informationen zu erkennen bzw. zu erhalten.

 

Ergänzung 30.05.2023 Stellungnahmen zur Studie

Eine entsprechende Anfrage meinerseits wurde kurzfristig sowohl von natureplus, als auch von IFEU beantwortet – beide Institutionen teilen mit,

"die Studie hätte sich ausschließlich mit der Frage

"eine(!) Säule der Nachhaltigkeit: ökologische Bewertung der Dämmstoffbereitstellung- von der Wiege bis zur Bahre" befasst – zu Gesundheits- und Nutzungsphase müsste eine weitere Studie gemacht werden mit dem Ziel Umweltrisikobewertung."

Aus den bisherigen Publikationen zu der Studie (auch auf den Internetseiten der beiden Institute)  ist dies allerdings für den Verbraucher nicht unbedingt ableitbar.

Zu der "erweiterten Interpretation der Industrie" wurde bereits eine "Gegendarstellung" verfasst, die aber auf der Internet- Seite von natureplus  für mich überhaupt nicht, auf der Seite von IFEU für den Verbraucher kaum zu finden ist

Eine solch "noble Zurückhaltung" gegenüber Falschaussagen1 der Industrie hilft dem Verbraucher wenig bei der Suche nach "gesundheitsverträglichen" Produkten.

 

[1] Eine generelle Bewertung eines "Erdölproduktes" als "ökologischer Dämmstoff(!)", abgeleitet aus einer positiven Bewertung eines einzelnen "ökologischen" Aspekts der Entsorgung stellt eine eindeutige "Irreführung" der Verbraucher dar (Greenwashing) und es müsste von der Erstellern der Studie, auf die sich die Hersteller dabei berufen  eine "Richtigstellung" eingeklagt werden.

 

Auch zu dem Bericht im Architektenblatt (geworben wird mit etabliertem Recyclingsystem; auch hier wird die IFEU-natureplus STudie zitiert) vom 01.02.2023 wurde mir am 30.05.2023 eine geplante Gegendarstellung angekündigt – eine raschere  "Reaktion" wäre auch hier wünschenswert gewesen.

 

Verwunderlich allerdings auch, dass sich die Hersteller von hervorragenden, "natureplus-zertifizierten" Holzweichfaserprodukten und weiteren hervorragenden "natürlichen" Dämmstoffen bis  heute nicht zu dieser Diskussion und entsprechenden "Vorwürfen" öffentlich eingebracht haben.

 

 

"Greenwashing  mit eigenwillig interpretierter IFEU- natureplus Studie:"

Zitat:

„Die heute präsentierte Studie bestätigt, dass kein anderer Dämmstoff so effizient und ökologisch zugleich ist wie Styropor“, freut sich Dr. Clemens Demacsek, Geschäftsführung der GPH. (Textquelle/ Bild anklicken:  ots.at)

 

 

Siehe auch "Nachhaltigkeit und Politik"

 

 

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