Raumschadstoff PCB

 

Seit 1978 verboten - aber noch immer präsent

Publikation Raumschadstoff PCB mit Hinweisen zu Vorkommen, Grenzwerten, Messmethoden, Sanierung und Presseberichten von Schadensfällen 

Beiträge aus dieser Seite:

PCB und Schulen/ Kitas

PCB am Arbeitsplatz -Dortmunder ENVIO Skandal

PCB Grenz-Richt-Orientierungswerte

Erfassung von PCB Werten

Gesundheitsgefährdung durch PCB

Bagatellisierung des Gesundheitsrisikos PCB

Umweltbelastungen und medizinische Untersuchungen

Quellen für PCB in Gebäuden

Sanierung - siehe Publikation PCB

Dezember 2016: US Bundesstaat Washington fordert Schadenersatz von Monsanto

 

PCB (polychlorierte Biphenyle)-  nicht zu verwechseln mit dem Holzschutzmittel PCP (Pentachlorphenol)

1921 erstmals hergestellt, ist der Einsatz teilweise bereits seit 1976 (Ministerialrat der EG in offenen Systemen) verboten.

PCB sind eine Gruppe von insgesamt 209 chemischen Verbindungen (sog. PCB-Kongenere) aus Biphenyl und Chlor.

Diese Verbindungen wurden industriell hergestellt und wegen technisch interessanter Eigenschaften vielfältig verwendet. 

Einsatzgebiete

PCB sind schwer entflammbar, beständig und widerstandsfähig gegen Säuren und Laugen. Sie wurden deswegen z.B. als elektrische Isolatoren in Transformatoren und Kondensatoren, als Weichmacher in Kunststoffen, in Dichtungsmaterialien für Gebäudedehnungsfugen sowie in Hydraulikanlagen in erheblichem Umfang eingesetzt.

Trotz des inzwischen durchgesetzten Stoffverbotes  geraten Polychlorierte Biphenyle (PCB) immer wieder in die Schlagzeilen:

Skandale um die Belastung von Schulgebäuden oder die Kontamination von Tierfutter sind Beispiele für die traurige Karriere einer Substanzgruppe, die einst hoch gelobt und in zahlreichen Bereichen gerne eingesetzt wurde. Erst als man sie in hohen Konzentrationen z. B. in Fischen und in der Muttermilch nachweisen konnte, wurde man auf ihre Gefahren für Umwelt und Gesundheit aufmerksam. In den letzten Jahren sind zudem die dioxinähnlichen PCB besonders ins Blickfeld geraten. Textquelle und mehr dazu

 

Krebserzeugendes PCB in Schul- und Universitätsgebäuden

Viele Schüler und Studenten atmen in Deutschland täglich mehr krebserzeugendes PCB ein, als es die Weltgesundheitsorganisation für tolerabel hält. PCBs, polychlorierte Biphenyle, wurden von der Internationalen Agentur für Krebsforschung gemeinsam mit Asbest als krebserzeugende Substanzen in die höchste Gefahrengruppe eingeordnet. Seit 1978 ist die Beimischung in Baustoffen verboten. Doch PCBs gasen auch nach Jahrzehnten noch aus belasteter Fugenmasse und Farben aus. Verwendet wurden sie in Deutschland vor allem beim Bau öffentlicher Gebäude. Nach Recherchen des Fernseh-Wirtschaftsmagazins "Plusminus" vom NDR im Ersten zeigt sich, dass sogar nach einer PCB-Sanierung Raumluft weiterhin teilweise hoch mit PCB belastet ist, obwohl diese Räume offiziell "frei gemessen" wurden. 

In einer Analyse für das Bundesumweltamt wird kritisiert, dass die Belastung der Raumluft mit PCB nach einer wissenschaftlich längst überholten PCB-Richtlinie bewertet wird. Diese orientiere sich an veralteten toxikologischen Erkenntnissen aus dem Jahr 1994. Schon 2003 senkte die Weltgesundheitsorganisation die täglich tolerable Aufnahmemenge von PCB um den Faktor 50. Doch das hatte bis heute keine Auswirkungen auf die in Deutschland nach wie vor gültige PCB-Richtlinie. Die Konsequenz: Nach aktueller Gesetzeslage sind Arbeiter mit Schadstoffkontakt besser vor der Aufnahme hoher PCB-Konzentrationen geschützt als Nutzer öffentlicher Gebäude. Schülern, Studenten, Lehrern und Professoren wird zugemutet, in Räumen zu arbeiten, die nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation um den Faktor 50 zu viel PCB enthalten.

Eine Anfrage von "Plusminus" zur veralteten PCB-Richtlinie wurde diesen Monat auf der Bundesbauministerkonferenz behandelt. Doch keine der gestellten Fragen konnte die Fachkommission Bautechnik der Bauministerkonferenz beantworten. Das Gremium, das die PCB-Richtlinie damals ausarbeitete, sei zwischenzeitlich aufgelöst worden, heißt es. Eine fachlich fundierte Stellungnahme sei daher nicht möglich. Die inhaltliche Aktualität der Richtlinie wolle man überprüfen und gegebenenfalls Korrekturen veranlassen. Quelle: NDR 23.03.2016

(Link zu Sendezeiten und Sendung)

WDR - PCB Das Gift in der Nachbarschaft

Verwendungsverbot

Im Jahr 1989 wurde die Verwendung von PCB in Deutschland mit wenigen Ausnahmen grundsätzlich verboten (frühere PCB-Verbotsverordnung, heute Gefahrstoffverordnung bzw.Chemikalien-Verbotsverordnung). Die Verwendung PCB-haltiger Kondensatoren ist seit dem Jahr 2000 grundsätzlich untersagt, bis spätestens zum 31.12.2010 mussten PCB und PCB-haltige Geräte bis auf geringfügige Ausnahmen beseitigt sein (ChemVerbotsV, Abschnitt 13 des Anhanges zu §1).

Verdächtige Produkte dürfen bis zum Beweis des Gegenteils (Nachweis eines Gehalts unterhalb bestimmter Grenzwerte) nicht in den Verkehr gebracht werden. Die ChemVerbotsV enthält auch zu diesem Komplex bestimmte Ausnahmeregelungen.

 

Quellenangabe:

bayerisches Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz

 

 

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PCB und Schulen- Kitas

Eine besondere Fürsorgepflicht sehen wir bei den Betreibern von Schulen und Kitas.

Hier wird oft über Jahre versucht, Eltern mittels "Prüfberichten" (meist "ausgewählter Vertrauensgutachter" der Betreiber)

  • mit Argumenten wie Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte zu beschwichtigen (zu diskutieren wären dabei die Prüfbedingungen, Labormethoden, zu enge wirtschaftliche Bindung des Gutachters) 
  • aber auch mit Zusagen verstärkter Lüftung und Neubauten (wann?)

zu vertrösten.

 

 

1.1      Auflistung ausgewählter Presseberichte

 

1.1.1     Allgemein zu PCB Belastungen an Schulen

Gift im Klassenzimmer (ZDF. 20.11.2016)

PCB - das Gift in der Nachbarschaft (WDR 08.06.2016)

Krebserzeugendes PCB in Schulen und Universitäten (23.03.2016)

PCB: Billiger Baustoff mit Spätfolgen (Das Erste: 23.03.2016)

PCB Belastungen in Schulen weiterhin ein Problem (06.10.2015)

PCB Belastung in Schulen - die tickende Zeitbombe (18.08.2014)

PCB und der "Giftkrieg"

Gesundheitsgefährdung durch PCB Belastungen in unseren Schulen (2009)

Handeln statt beschwichtigen - Schadstoffbelastungen in Köln (2001)

1. Was sind PCB? 2. Die Toxizität der PCB. 3. Grenzwerte und ihre Auslegung. 4. Strategien zur Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen.

 

Den Betreibern ist oft nicht bewusst, dass sie sich bei Nichtbeachtung ihrer Fürsorgepflicht auch "strafbar" machen können -

so kam es beispielsweise in Nürnberg zur Einleitung staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen wegen des Anfangsverdachtes der fahrlässigen Körperverletzung gegenüber den Verantwortlichen (erhöhte PCB Werte in Blutproben von 41 Schülern!)   Pressemeldung die Welt; siehe auch Position 3.7. Protokoll Nürnberg PCB in Nürnberg   Nürnberger PCB Skandal  PCB in der Georg Ledebour Schule

 

1.1.2     Konkrete PCB- Beispiele der letzten Jahre  

An zahlreichen Schulen werden definitive Sanierungen jahrelang verschleppt- Kinder und Lehrer damit einem unverantwortbaren Risiko ausgesetzt, nur selten wird unmittelbar nach "Bekanntwerden" mit einer Sanierung begonnen.

 

Pressemeldungen

Kita Max und Moritz Bad Bodendorf mit Asbest und PCB belastet (05.09.2016)

Böblingen: "Schadstoffe im Kindergarten" (14.09.2016)

Gießen: "In zehn Schulen sind PCB Sanierungen nötig" (21.07.2016)

PCB Problem Undenheimer Grundschule (25.02.2016)

Konstanz- PCB im Kindergarten (14.04.2016)

"Wenns mal wieder länger dauert" Duisburg (10.09.2015)

PCB ist nicht in den Griff zu bekommen (Lehrte, 08.03.2015)

Düsseldorf - neuer Fall von PCB Belastung in Schule (2014)

PCB Belastung ans der MPS Breidenbach (Januar 2014)

Herderschule Gießen - PCB- die Angst haben sie uns nicht genommen (23.08.2013)

Marienschule Köln Euskirchen: "Hohe PCB Werte in der Sporthalle" (26.09.2012)

Marienschule Köln Euskirchen: "Auffallend hohe Raten an Erkrankten" (05.09.2012)

Etzelwang - Verschleppung der PCB Sanierung (9.02.2004)

Nettekoven, Kindergarten: Belastung mit PCB (22.03.2002)

 

Eduard Sprangerschule München, PCB Problem:

"bekannt seit mindestens 2011" 
"2015 weiterhin belastet"

 

1.1.3     Empfehlung Mediation

 

Bei Auseinandersetzungen zwischen Schulträger und Eltern ist in manchen Fällen eine Mediation sinnvoll:

Beispiel Neuss:

"Umweltgift PCB aus Schulen verbannt" (Neuss 31.10.2015)

Mediation zur PCB Sanierung

Schüler und Lehrer sind PCB Belastungen ausgesetzt (Neuss,19.08.2012)

 

Wir empfehlen bei Schadstoffbelastungen an Schulen und Kitas eine möglichst offene Kommunikation, um jahrelange Auseinandersetzungen in den Medien, mit enormer Verunsicherung von Kindern, Eltern und Lehrern zu vermeiden.

Unsere Empfehlungen:

Konfliktfreie Vorgangsweise bei Schadstoffproblemen an Schulen/ Kitas

Hinweise für Elternbeiräte, Personalvertreter, Schulleiter bei Schadstoffproblemen an Schulen

Tagebuch- Gesundheitsprobleme bei Schadstoffen an Schulen

 

 

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PCB am Arbeitsplatz - Skandal Dortmund- ENVIO

In vielen gewerblichen Gebäuden, Bürohäusern, Behörden finden sich immer wieder wesentlich erhöhte Belastungen mit PCB – auch hier wird gerne solange "bagatellisiert", bis Nachweise eingetretener, teils irreversibler gesundheitlicher Schäden nicht mehr ignoriert werden können.

Beispiel

1.1      PCB Skandal Dortmund- ENVIO

1.1.1     Gutachterkrieg in Dortmund (ENVIO)

Ein unerfreuliches Schicksal drohte von Anfang an auch den Mitarbeitern von ENVIO im Dortmunder- vieljährigen PCB Skandal.

Presseberichte:

06.06.2010  Envio Mitarbeiter extrem PCB belastet

02.12.2011  Grüne greifen Bezirksregierung scharf an

09.05.2012  Prozess beginnt ("Envio Manager vor Gericht")

09.05.2012  Prozessauftakt

09.05.2012  Ex Envio Chef weist Vorwürfe zurück

Auch hier trafen wir wieder auf ähnliche Gutachter wie in Giessen, München, für die PCB in Gebäuden offensichtlich kein "akutes" gesundheitliches Risiko darstellt.

Gekämpft wurde hier mit allen Mitteln - auch "Bilanztricks" zum Ausbluten der Firma waren in den Medien im Gespräch.

10.05.2012 PCB verseucht- selbst schuld!

04.07.2012 starke Aussage des "Gutachters!": "PCB im Blut macht nicht zwingend krank!"

"Die Verteidiger der Firma nahmen die Ausführungen mit sichtlicher Zufriedenheit zur Kenntnis."

 

05.07.2012  "Gutachter liefert viele Allgemeinplätze, wenig Verbindliches"

20.07.2014 "Vertuschung im größten deutschen Giftmüllskandal geht weiter"

 

27.08.2014  Der Gerichtsprozess ist für die Opfer noch lange nicht verloren

17.07.2015  Gemüse stark PCB belastet - "Umweltamt gibt Ernährungsratschläge"

 

22.07.2015

Dank "hervorragender Gutachter" sollte der Prozess möglicherweise ohne Urteil eingestellt werden -

"Hintergrund der Gespräche sind eindeutige Signale von Seiten des Dortmunder Landgerichts. Danach ist eine Verurteilung wegen Körperverletzung durch PCB wohl vom Tisch. Das wäre dann auch das Aus für mögliche Schmerzensgeldansprüche der Ex-Envio-Arbeiter." (Pressebericht Juli 2015)

 

12.10.2015  Envio hat die PCB belastete Firma bereits im April verkauft

15.01.2015  Attacken gegen den Gutachter

21.01.2016 Bürgerinitiative "Wahrheitsfindung im Envio Prozess"

Nicht nur ehemalige Mitarbeiter der Firma- auch eine Bürgerinitiative kämpft seit Jahren um ihre Rechte. (Chronik und Messberichte)

26.10.2016 WDR: "Envio - ein Wirtschaftskrimi":

Eine Chronik bietet der WDR mit zahlreichen interessanten Aspekten!

02.11.2016

Die Ankündigung einer "möglichen" Einstellung des Verfahrens vom Juli 2015 wurde zwar im November 2016 widerrufen: "Doch kein schnelles Ende?" -

wir erwarten aber für April 2017 nicht unbedingt ein positives Ende für die Geschädigten.

Informationen der Stadt Dortmund

Die Stadt Dortmund zeigt "Verständnis" für die Sorgen und Nöte......

 

04.04.2017 Urteilsverkündung (WDR):

Keine Verurteilung für Manager

  • Fünf Jahre Prozessdauer
  • Opfer erhalten freiwillige Entschädigung

3800 Euro für 21 stark belastete Arbeiter -

wenig Geld für jahrelange gesundheitliche Belastungen und nicht absehbare Folgeschäden.

Industriefreundliche Gutachten und fehlende ernsthafte Grenzwerte haben sich erneut durchgesetzt.

 

04.04.2017 Verfahren gegen ENVIO Bosse eingestellt

 

1.2      Empfehlungen bei Schadstoffbelastungen am Arbeitsplatz:

Hinweise für Betriebs- und Personalräte

Tagebuch- Gesundheitsprobleme am Arbeitsplatz 

 

 

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PCB "Grenzwerte" - "Orientierungswerte"

 

 

 

1.1      Fehlende bundesweite Grenzwerte

 

Trotz der weiten Verbreitung und der hohen Toxizität gibt es bis heute keine "bundesweiten" Grenzwerte für PCB – es gelten die PCB Richtlinien der einzelnen Länder.

"In Bundesländern ohne eine baurechtliche Baubestimmung zu PCB gilt die Empfehlung der Adhoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte von 2007 zu PCB."

(Quelle; Seite 13)

 

 

1.1.1     Allgemein praktizierte Richtlinie

Als solche wird derzeit in der Regel nach wie vor herangezogen die

 

Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCB-Richtlinie)

Fassung September 1994

 

Diese Richtlinie wurde von der Projektgruppe "Schadstoffe" der Fachkommission Baunormung der Arbeitsgemeinschaft der für das Bau-, Wohnungs- und Siedlungswesen zuständigen Minister der Länder (ARGEBAU) als technische Regel entsprechend den Erkenntnissen in Wissenschaft und Technik und in Übereinstimmung mit den Erfordernissen der Baupraxis unter Beteiligung von zahlreichen Wissenschaftlern und Behörden erstellt:

1.1.1.1      Bis 300 ng/m³:

 

Raumluftkonzentrationen unter 300ng PCB/m³ Luft sind als langfristig tolerabel anzusehen (Vorsorgewert). 

1.1.1.2      Zwischen 300 und 3000 ng/m³:

 

Bei Raumluftkonzentrationen zwischen 300 und 3.000ng PCB/m³ Luft wird empfohlen, die Quelle der Raumluftverunreinigung aufzuspüren und nach Möglichkeit unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit zu beseitigen oder zumindest eine Verminderung der PCB-Konzentration (z.B. durch regelmäßiges Lüften sowie gründliche Reinigung und Entstaubung der Räume) anzustreben. Der Zielwert liegt bei weniger als 300ng PCB/m³ Luft.

Über 3000 ng/m³

1.1.1.3      Oberhalb von 3000 ng/m3

Raumluftkonzentrationen oberhalb von 3.000ng PCB/m³ Luft sollten im Hinblick auf mögliche andere nicht kontrollierbare PCB Belastungen vermieden werden. Bei entsprechenden Befunden sollten unverzüglich Kontrollanalysen durchgeführt werden. Bei Bestätigung des Wertes sind in Abhängigkeit von der Belastung zur Vermeidung gesundheitlicher Risiken in diesen Räumen unverzüglich Maßnahmen zur Verringerung der Raumluftkonzentration von PCB zu ergreifen.

Die Sanierungsmaßnahmen müssen geeignet sein, die PCB Aufnahme wirksam zu vermindern. Der Zielwert liegt auch hier bei weniger als 300ng PCB/m³ Luft (Sanierungsleitwert).

Volltext

 

1.1.2     Sonderempfehlung für dioxinähnliche PCBs

 

„Die Ad-hoc-Arbeitsgruppe hat 2007 in Ergänzung zu den bestehenden länderspezifischen 14 Regelungen für die Bewertung PCB-belasteter Innenraumluft 

einen Richtwert von 4-5 pg WHO-TEQ/ m³ (Umrechnungstabellezur Berücksichtigung dioxinähnlicher PCB in der Innenraumluft abgeleitet.  (Quelle UBA Seite 13/14)“

WHO-TEQ= Toxizitätsäquivalente:

"Man geht davon aus, dass die verschiedenen Dioxine die gleichen toxischen Wirkungsmechanismen haben und sich nur in der Stärke ihrer Wirkung unterscheiden. Diese unterschiedliche Wirkungsstärke wird mit einem Faktor, dem Toxizitätsäquivalenzfaktor (TEF) berücksichtigt. Dabei bewertet man die relative Giftwirkung der einzelnen Verbindungen im Vergleich zu dem hochgiftigen 2,3,7,8 TCDD. Dieses hat den Faktor 1. Die toxische Wirkung wird dann über die Gehalte der Einzelverbindungen und dem zugehörigen Faktor als sogenanntes Toxizitätsäquivalent (TEQ) errechnet und addiert. Der TEQ-Wert entspricht dann der toxischen Wirkung einer vergleichbaren Menge des 2,3,7,8 TCDD." (UBA)

Daraus leitet sich ein Eingreifwert für Sanierungen bei Vorliegen höheren Anteils dioxinähnlicher PCB von ca. 1000-1500 ng/m³ ab

(zum Vergleich: Eingreifwert bei Überwiegen von nicht dioxinähnlichen PCB 3000 ng/m³ – siehe oben).

Der Sanierungszielwert beträgt in beiden Fällen 300 ng/m³, d.h. durch die Sanierung soll erreicht werden, dass dieser Wert unterschritten wird.  (Quelle UBA Seite 13/14)

 

1.1.2.1      Dioxinähnliche PCBs

"Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind chlorierte Kohlenwasserstoffe mit einer ähnlichen chemischen Struktur wie Dioxine. Sie sind eine Stoffgruppe, die am Grundgerüst eines Biphenyle eine unterschiedliche Anzahl von Chloratomen binden können. Insgesamt gibt es 209 mögliche Verbindungen (Kongenere).

Von diesen 209 möglichen PCB-Kongeneren werden diejenigen zwölf Kongenere als dioxinähnliche-PCB bezeichnet, die eine dem PCDD/PCDF ähnliche räumliche und elektronische Struktur haben, (non ortho Kongenere PCB-Nr. 77, 81, 126, 169 und mono ortho Kongenere 105, 114, 118, 123, 156, 157, 167, 189). Die giftigste dioxinähnliche Wirkung zeigt das PCB 126 (CAS No. 57465-28-8: 3,3′,4,4′,5 pentachlorobiphenyl)"  

https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/dioxine 

  

Zu differenzieren ist daher zwischen verschiedenen "PCBs" mit unterschiedlicher toxikologischer Relevanz und daher auch differenzierten "Auffälligkeitswerten":

(z.B. Indikator PCBs Seite 3: CAS: 7012-37-5; 41464-40-8; 37680-73-2; 35694-06-5; 35065-27-1; 35065-29-3)

 

1.1.3     Erläuterungen

Gesamt-PCB

Das ehemalige Bundesgesundheitsamt leitete auf der Basis des ADI-Wertes die Beurteilungswerte für Raumluft ab, die in der PCB-Richtlinie genannt sind. Als Ziel wurde festgelegt, dass eine Raumluftbelastung eine zusätzliche PCB-Aufnahme in Höhe von 10 % des ADI-Wertes nicht überschreiten sollte.

Man ging weiterhin von folgenden Randbedingungen aus: Ein Mensch atmet 20 m³ Luft am Tag ein und die PCB werden aus der Atemluft zu 100 % aufgenommen (konservative Annahme). So errechnet sich ein Wert von 300 ng PCB/m³ Raumluft.

Dies bedeutet, dass bei den genannten Modellannahmen eine Raumluftbelastung von 300 ng PCB/m³ Luft bei ganztägigem Aufenthalt in einem solchen Raum zu einer zehnprozentigen Ausschöpfung des ADI-Wertes führt. Als Interventionswert, der bei 24-stündigem Aufenthalt theoretisch eine PCB-Aufnahme in Höhe des ADI-Wertes zur Folge hat, nennt die Richtlinie eine Raumluftkonzentration von 3.000 ng PCB/m³ Luft (angegeben als Jahresmittelwert).
Bei kürzeren Aufenthaltszeiten ist der Wert entsprechend anzupassen (z.B. 9.000 ng/m³ bei 8 Stunden).

Dioxinähnliche PCB

Für diese Gruppe leitete die AG KIRL/AOLG im Jahr 2007 einen Gefahrenwert von 5 pg TE/m³ ab. Untersuchungen zu den Gesamt-PCB-Gehalten in der Raumluft und zu den Anteilen dioxinähnlicher PCB zeigen, dass dieser Wert eingehalten wird, wenn Fugendichtungen mit niederchlorierten PCB als Belastungsquelle vorliegen und die Gesamt-PCB den Gefahrenwert der PCB-Richtlinie von 3000 ng/m³ unterschreiten.

Bei Anstrichen und Deckenplatten mit höheren Anteilen an dioxinähnlichen PCB werden 5 pg TE/m³ mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erreicht, wenn die Konzentration an Gesamt-PCB unter 1000 ng/m³ bleibt. Außerdem wurde gezeigt, dass das PCB-Kongener 118 einen sinnvollen Marker für die Summe der dioxinähnlichen PCB darstellt und dass bei 10 ng PCB 118/m³ der Wert von 5 pg TE/m³ praktisch immer unterschritten wird. Auf der Basis dieser Daten entwickelte die AG KIRL/AOLG

(Quelle bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)

  

Für den kritischen Verbraucher stellt sich aber vor allem die grundsätzliche Frage der Relevanz von "Grenzwerten" und in diesem Zusammenhang auch die Frage nach dem besonderen "Schutzanforderungen" für Schwangere, Kinder, kranke Menschen mit verminderten Immunsystem.

Siehe dazu:      Umweltmedizinische Bewertung von gesetzlichen Grenzwerten

 

 

1.1.4     Weitere "Empfehlungen"

1.1.4.1      AGÖF

Für Hausstaubmessungen stellt beispielsweise die AGÖF (Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute) einen "Summenwert" PCBs über 5 mg/kg Hausstaub als auffällig dar - eine Um"rechnung" auf die Raumluftbelastung in µg/m³ bzw. ng/m³ müsste eine Anzahl von Faktoren (u.a. Raumgröße, Luftwechselrate etc.) berücksichtigen.  

 

1.1.4.2      ARGUK

Der ARGUK-Orientierungswert III (OW III) für die PCB-Belastung von Hausstaub beträgt 1 µg/g Gesamt-PCB/g Hausstaub (Arguk, Seite 20)

Richtwerte für PCB Belastungen tägliche PCB Aufnahme; Belastung in Räumen (ARGUK, Link Seite 18, 19 Tabellen 18 und 19).

 

1.1.4.3      Universität Tübingen 

Grenzwertliste für dioxinähnliche PCB (Universität Tübingen, 2005)

1.1.4.4      GEW Hessen

"Der aktuelle Gefahrenwert berechnet sich aus dem 1983 vom damaligen Bundesgesundheitsamt festgelegten Grenzwert von einem Millionstel Gramm PCB pro kg Körpergewicht und Tag. Aufgrund neuer toxikologischer Erkenntnisse hat die WHO jedoch 2003 einen fünfzigmal niedrigeren Richtwert festgelegt, ohne dass die deutsche PCB-Richtlinie entsprechend angepasst wurde." Quelle GEW Hessen

 

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Erfassung von PCB Belastungen

1.1      Messmethode

 

1.1.1     VDI-Richtlinien:

 

Als Grundlage für PCB Messungen wird aktuell in der Regel die

VDI:  4300 Blatt 2    ISO Norm:  16000-12 (PAK, PCDD, PCDF, PCB)

herangezogen -

 

daneben werden noch weitere Normen bzgl. Messung/ Analytik aufgeführt.

ISO Norm:        16000-13

16000-14

 

 

VDI 2464 Blatt 1 Messen von Immissionen - Messen von Innenraumluft - Messen von polychlorierten Biphenylen (PCB) –

GC/MS-Verfahren für PCB 28, 52, 101,138, 153, 180

Anforderungen zur Analyse der coplanaren PCB werden in VDI 2464 Blatt 2 beschrieben.

 

 

1.1.2     Glaubwürdigkeit der Messergebnisse

 

 

 

Entscheidend für die grundsätzliche Glaubwürdigkeit von Messergebnissen ist für uns

 

a)    die genaue Definition des Prüfauftrags

b)    die Akkreditierung des Prüfinstituts für entsprechende Prüfungen

c)    Beschreibung der Probenahme und Analytik (Angabe der angewandten Normen)

 

 

Vielfach irritierend für den Verbraucher erweist sich die Tatsache, dass PCB Raumbelastungen in der Praxis unterschiedlich, teils über Hausstaubuntersuchungen, teils über "Raumluftmessungen" dargestellt werden und dabei mit unterschiedlichen Maßeinheiten bewertet wird (ng/m³ bzw. µg/m³ Raumluft; mg/kg Hausstaub).

Zitat:  

"PCB-Messungen sind 

  • im Hausstaub,
  • in Materialproben
  • und in der Raumluft möglich." (weitere Hinweise dazu: Allum

1.1.2.1      Empfehlung zu einer ersten Worstcase Untersuchungen

 

Es gilt zahlreiche Faktoren zu beachten, die das Messergebnis beeinflussen können. So sind z.B. Messwerte in den Sommermonaten oft deutlich höher als in den Wintermonaten, da die Ausgasung temperaturabhängig ist.

Als Screening- und/oder Erstuntersuchung kann eine "worst-case"-Untersuchung vorgenommen werden (nicht gelüfteter Raum, höhere Raumtemperatur als üblich u.a.).

Weitere Untersuchungen, die auch zur Ermittlung des Jahresmittelwertes angezeigt sind, sollen möglichst unter realistischen Nutzungsbedingungen erfolgen. (Quelle)

 

1.2      Vergleich Raumluft - Hausstaub

1.2.1     ARGUK

Tabelle über den Zusammenhang zwischen Hausstaub - und Raumluftbelastung in Gebäuden mit starken PCB-Quellen (Gebäudetypus 60er - 70er Jahre),

 

Die hier gezeigte Abhängigkeit lässt sich nutzen, um im genannten Gebäudetypus von der Hausstaubbelastung, die schnell und preisgünstig festzustellen ist, auf eine zu erwartende Raumluftbelastung zu schließen.

Quelle: ARGUK-Labordaten; Link Seite 11

 

1.3      Weitere Aufnahmequellen für PCB

 

 

PCB wird nicht nur über die Raumluft aufgenommen – diese stellt "nur" ein zusätzliches, in manchen Fällen aber auch entscheidendes Element für PCB Belastungen des Körpers dar.

Zu berücksichtigen sind daher auch die Mengen an PCB bzw. Dioxinen, die gleichzeitig über die Nahrungskette aufgenommen werden.

"Hauptaufnahmequelle sind fettreiche tierische Nahrungsmittel, vor allem Fische wie z.B. Aal.

Muttermilch ist auch viele Jahre nach dem Herstellungsverbot von PCB immer noch belastet. Allerdings ist ein deutlicher Abwärtstrend zu beobachten: so enthielten Proben aus dem Jahr 1997 im Vergleich zu 1980 nur noch ca. 30 % der Gehalte an PCB, d. h. die Belastung ist in diesem Zeitraum auf etwa ein Drittel zurückgegangen. Von 1997 bis 2005 sanken die Konzentrationen von ungefähr 0,5 mg/kg Milchfett auf ca. 0,3 mg/kg (siehe auch "Muttermilchuntersuchungen im Öffentlichen Gesundheitsdienst")."Quelle bayerisches Staatsministerium für Umwelt-und Verbraucherschutz

 

Überblick unterschiedlicher Richtwerte zur tolerierbaren täglichen Aufnahme von PCB (IFAU) 

Unter diesem ganzheitlichen Aspekt sollte man auch die derzeitigen offiziellen "Grenzwerte" für die Innenraumluft (die meisten publizierten Werte betreffen den "Arbeitsplatz", ausgehend von gesunden Erwachsenen mit einer beschränkten Aufenthaltsdauer pro Tag, nicht aber Wohnungen für die genannten besonderen "Risikogruppen") sehr kritisch betrachten.

 

1.4      Bezug von PCB Raumluft – Grenzwert zum Körpergewicht

 

Eine solche Umrechnung muss natürlich Körpergewicht, Atemrate (je nach Tätigkeit - besonders erhöht beispielsweise in Sporthallen) und tägliche/wöchentliche Aufenthaltsdauer im Raum berücksichtigen.

 

Einen "PCB Rechner" finden Sie beispielsweise auf der Homepage der Universität Tübingen: (PCB Info/Rechner

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Rechenbeispiel:

Raumluftwert: 200 ng/m³        200 Nanogramm (ng) = 0,2 Mikrogramm (µg)

Mann, 68 kg

Atemvolumen bei leichter Arbeit: 1,7 m³ pro Stunde

persönlicher PCB Grenzwert (z.B. orientiert an Empfehlungen Landesumweltamt NRW: 15 ng/d/kg)

Anteil der PCB Aufnahme durch die Luft (angenommener Durchschnittswert 10 %)

Ergebnis:

Sie dürfen den Raum maximal 1 Stunde 47 Minuten in der Woche benutzen. (Mit Vorbehalt!)

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Problematisch ist allerdings bei "Umrechnungen" grundsätzlich, dass bei solchen Berechnungen ebenso wie bei "Richtwerten", "Orientierungswerten" auch "Einzelstoffbewertungen"

  • Dioxine mit Angabe von pg/Angaben (WHO Empfehlung: 1-4 pg/TEQ/d/kg)
  • sowie "unterschiedliche" PCBS zu berücksichtigen sind,

sich die toxikologische Bewertung dieser Stoffe aber bei den verschiedenen staatlichen und privaten Institutionen sehr unterschiedlich darstellt. 

 

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Gesundheitsgefährdung durch PCB

Eine Reihe von möglichen Symptomen werden in der Literatur aufgezählt.

·         Einatmen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut kann zu Gesundheitsschäden führen.

·         Gefahr kumulativer Wirkungen

·         Kann das Zentralnervensystem schädigen

·         Reichert sich im Körper an

·         Schädigung des Blutes

  • Wachstumsverzögerungen bei Kindern

·         Stoffe, die als beeinträchtigend für die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen angesehen werden sollten

·         Stoffe, die als fruchtschädigend für den Menschen angesehen werden sollten.

·         Chlorakne,

·         Lidödeme

·         Überpigmentierung einzelner Hautpartien,

·         Verfärbung von Finger- und Zehennägeln,

·         chronische Bronchitis,

·         Lungenfunktionsstörungen,  

·         neurologische Defizite,

·         Stoffwechselstörungen,

·         Schädigungen am Immunsystem,

·         Haarausfall,

·         Sehschwäche,

·         erhöhte Krebsrate,

·         Wirkungen auf die Leberfunktion,

·         Müdigkeit, allgemeine Schwäche

·         Gelenk- und Kopfschmerzen.

 

Quellen:   Gisbau Toxcenter, Enius, Schadstoffberatung Tübingen

 

Weitere Infos: 

Schadstoffberatung Tübingen: Verwendung von PCB

 

 

 

Wir empfehlen, bei Schadstoffproblemen an Schulen und am Arbeitsplatz möglichst frühzeitig mit exakten persönlichen Aufzeichnungen über die festgestellten Beschwerden zu beginnen, und ebenso frühzeitig einen qualifizierten Umweltmediziner aufzusuchen.

Empfehlung Umweltmediziner

Tagebuch- Gesundheitsprobleme bei Schadstoffen an Schulen

Tagebuch- Gesundheitsprobleme am Arbeitsplatz 

 

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Bagatellisierung des Gesundheitsrisikos PCB

Trotz zahlreicher Publikationen über die Verbreitung von Schadstoffbelastungen mit PCB vor allem auch an Schulen und Kitas wird das Problem von Behörden und Politik nach wie vor gerne bagatellisiert.

Ein beunruhigendes Bild ergaben 2016 Recherchen von Plus Minus:

 

1.1      "PCB-haltiges Material in jeder dritten Schule"

 

Große Mengen PCB befinden sich in Gebäuden, die vor 40 bis 50 Jahren errichtet wurden. Circa 50 bis 80 Prozent der PCB-haltigen Fugenmassen und Farbanstriche wurden bis heute nicht entfernt. Das geht aus einer Analyse für das Umweltbundesamt hervor. Demnach befindet sich in jeder dritten Schule in Deutschland PCB-haltiges Material."

1.2      Umweltbundesamt "unzureichendes Chemikalienmanagement"

 

Jochen Flasbarth 20.08.2013:

"PCBs sind ein Negativbeispiel für unzureichendes, zu spätes Chemikalienmanagement: Mehr als 60 Jahre sind von den ersten Hinweisen bis zur Unterzeichnung der Stockholm-Konvention vergangen. So lange darf es bei heute bekannten besonders Besorgnis erregenden Stoffen mit ähnlichem Gefahrenprofil nicht dauern!"  Rede zum PCB Management

 

1.3      Laut WHO Faktor 50 zu viel PCB an Schulen

 

Richtlinie erlaubt hohe PCB-Konzentration

 

"Ob ein Gebäude saniert werden muss, entscheiden Experten gemäß PCB-Richtlinie. Sie orientiert sich an Einschätzungen aus dem Jahr 1994 und verharmlost die Gefahren von PCB, heißt es in einer Analyse für das Bundesumweltamt. Die aktuell gültige PCB-Richtlinie mutet Raumnutzern eine PCB-Konzentration in der Atemluft zu, die um den Faktor 50 über dem Wert liegt, den die Weltgesundheitsorganisation WHO seit 2003 für tolerabel hält.

Eine Anfrage von Plusminus zur veralteten PCB-Richtlinie wurde im März auf der Bundesbauministerkonferenz behandelt. Doch keine der gestellten Fragen konnte die Fachkommission Bautechnik der Bauministerkonferenz beantworten. Das Gremium, das die PCB-Richtlinie damals ausarbeitete, sei zwischenzeitlich aufgelöst worden. Eine fachlich fundierte Stellungnahme sei daher nicht möglich. Die inhaltliche Aktualität der Richtlinie wolle man überprüfen und gegebenenfalls Korrekturen veranlassen."

 

Nach aktueller Gesetzeslage sind Arbeiter mit Schadstoffkontakt besser vor der Aufnahme hoher PCB-Konzentrationen geschützt als Nutzer öffentlicher Gebäude. Schülern, Studenten, Lehrern und Professoren wird zugemutet, in Räumen zu arbeiten, die nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation um den Faktor 50 zu viel PCB enthalten." Quelle NDR

 

1.4      Gerichtsentscheidungen nur regional gültig?

 

Im Jahr 1992 hatte das Verwaltungsgericht Wiesbaden (Az III/ 1 G 398/91 und Az III /1 G 1011/91) entschieden, dass „eine Raumluftkonzentration oberhalb von 1000 Nanogramm (= 1 Milligramm) eine konkrete Gefahr im Sinn der §§83 Absatz 1 HBO (red. Anmerkung das ist: Hessische Bauordnung) und 3 Absatz 1 BImSCHG (red. Anmerkung:  das ist: Bundesimmissionschutzgesetz) darstellt. Oberhalb dieses Wertes sei ein „sofortiges Eingreifen der Bauaufsicht” erforderlich. Quelle

 

1.5      Entwarnung aus Bayern

 

Entwarnung gibt dagegen (ein "Fachmann") Bayerns Verbraucherminister 2009 für Tausende Gebäude

 

Sinner verglich das Gesundheitsrisiko durch die PCB-Altlasten mit dem Rauchen einer Zigarette pro Jahr.  Pressemeldung

1.6      PCB Grenzwerte nach Machbarkeit?

 

Kapitulation vor der Hintergrundbelastung – der Grenzwert wurde bei PCB nicht medizinisch, sondern nach Machbarkeit festgelegt! (SWR Odysso Dezember 2014) – dazu passend eine Aussage von Greenpeace PCB Lobby

 

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Umweltbelastungen und medizinische Gutachten

Besonders kritisch empfinden wir Bagatellisierungen, wenn es um Kinder in Schulen, Kitas geht –

 

Hier sollte auch von Medizinern ein wesentlich strengerer Maßstab bezüglich mögliche Langzeitfolgen angesetzt werden – keineswegs geht es hier nur um "akute gesundheitliche Beschwerden".

In zahlreichen Fällen wird empfohlen, mehr zu lüften – öfter zu reinigen – an Stelle eines nachhaltigen "Krisenmanagements".

1.1      Untersuchungen bei Kindern und Lehrern

In vielen Fällen wird ärztlicherseits ein sogenanntes "Biomonitoring" empfohlen.

Das PCB-Humanbiomonitoring soll die Frage klären, ob die PCB-Belastungen der Raumluft und die der täglichen Nahrungsaufnahme sich in erhöhten Biomonitoringwerten niederschlagen. 

Für die Analytik des PCB-Humanbiomonitoring werden 9 ml Vollblut benötigt, die über eine Blutentnahme mittels Butterfly-Kanüle am Arm in einer EDTA-Monovette gewonnen werden  Beispiel 

Interessant sind in diesem Zusammenhang die "beschwichtigenden" Ausführungen von Ärzten (an einem Institut für Umweltmedizin in München!), die "keine akute Gefahr" sehen:

1.1.1     Umweltmediziner sieht keine "akute Gefahr"

 "Es gilt als gesichert, dass

mit akuten Gesundheitsschäden bei Aufenthalt in PCB-belasteten Gebäuden nicht zu rechnen ist. 

Nur bei sehr hohen unfallartigen Expositionen können Vergiftungssymptome auftreten." (Juni 2016 - Schreiben an einen Elternvertreter liegt uns vor).

Der Satz ist nach unserem Informationsstand ein Zitat aus der Publikation des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz:

dort allerdings mit dem ergänzenden Zitat: "Bewertung von Raumluftuntersuchungen"

1.       Es gilt zwar als gesichert, dass bei Nutzern PCB-belasteter Gebäude nicht mit akuten Gesundheitsschäden zu rechnen ist, der Kenntnisstand über mögliche gesundheitliche Folgen einer langfristigen Aufnahme ist aber noch lückenhaft.

2.       Eine Verminderung der Exposition in PCB-belasteten Gebäuden ist daher grundsätzlich angezeigt und erfolgt im Sinn des vorbeugenden Gesundheitsschutzes“.  Quelle

Für uns ergeben sich daraus 2 Fragen:

 

Ø Aus welchen Studien ergibt sich die Aussage: „es gilt als gesichert“ - trotz angeblich „mangelhafter Kenntnisse bei langfristiger Aufnahme“

 

Ø Warum wird dieser entscheidende 2. Satz nicht ebenfalls in der Aussage des "umweltmedizinischen Instituts" zitiert?

1.1.2     Bochumer Staatsanwaltschaft erwägt Ermittlungen wegen PCB Verdachts: 

"Lieblingsgutachter von Genehmigungsbehörden"

1.1.3     Entwarnung aus Hessen

"Experten" schließen Gesundheitsgefährdung durch PCB an Schule aus Pressemeldung

Bedauerlich, dass es sich bei den Experten bundesweit stets um die gleichen – inzwischen allgemein bekannten" handelt.

 

 

1.1.4     Keine Gefahr durch PCB 

Auch ein weiteres Institut - bzw. dessen Leiter-   für "Umweltmedizin" bagatellisiert laut Pressemeldungen die gesundheitlichen Risiken von PCB:

Feststellung: "von PCB geht keine Gefährdung für die nächste Generation aus".

 

1.2       Positive Ausnahmen:

Leider finden wir nur selten ein aktives und verantwortungsbewusstes Krisenmanagement wie zum Beispiel:

07.04.2017 Kalletal-Hohenhausen        Unmittelbare Reaktion der Stadt! 

"Die Gemeinde habe am Mittwochmittag von den erhöhten Werten erfahren und sofort die Schule und weitere Beteiligte informiert. An die Schüler seien gestern Briefe für die Eltern verteilt worden, in denen über das Thema informiert wird, so Hecker. Nach den Ferien gibt es eine Infoveranstaltung. 

Von den erhöhten PCB-Konzentrationen sind die Klassenräume in allen Gebäudeteilen betroffen – laut Schulleiter Dr. Eike Stiller zwölf an der Zahl –, nicht aber die Aula. PCB gilt als krebserregend. Der Stoff kommt vom weißen Flammschutz-Anstrich der Deckenplatten. Diese wurden beim Bau der ehemaligen Hauptschule vor Jahrzehnten angebracht, sagte Bauamtsleiterin Ewa Hermann.

Laut PCB-Richtlinie besteht bei Konzentrationen zwischen 300 und 3000 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft „mittelfristiger Handlungsbedarf". „In diesem Bereich liegen wir", sagte Hermann. Laut Richtlinie dürften die Schüler zwar weiter in den Räumen unterrichtet werden, wenn gut gelüftet und sachgemäß geputzt werde.

„Wir wollen die Kinder und Lehrer der möglichen Gesundheitsgefährdung aber nicht weiter aussetzen und handeln sofort."

1.3      Empfehlungen/ Forderungen:

"Trotz Verbot wird PCB immer noch freigesetzt und ist nachweisbar im menschlichen Fettgewebe und in der Muttermilch. Größere Mengen führen zu akuten Vergiftungen, Leberschäden, Milz- und Nierenschäden. 

Bereits chronisch niedrige Dosen 

führen zu Beeinträchtigungen des Immunsystems, der Konzentration und der Fortpflanzungsfähigkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel" (Quelle: Medizininfo)

 Die Schulträger müss(t)en nicht nur auf den gesundheitlichen Schutz der Kinder, sondern auch der Lehrer achten: Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

 

  • AllergieInfo rät Eltern betroffener Kinder kurzfristig auch mit gezielter Ernährung die Risiken zumindest zu reduzieren. (PCB mit Nahrung ausleiten).
  • Dies ersetzt aber keineswegs eine erforderliche unmittelbare Gebäudesanierung! Siehe dazu auch LINK (Besonderer Sanierbedarf)
  • Das Netzwerk CBG fordert seit Jahren: "PCB Hersteller müssen haften"
  • Weitreichende Forderungen stellt auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Landesverband Hessen
  • Mit der Aussage: "MONSANTO und BAYER größte Produzenten" fordert der GEW ebenfalls    "Hersteller müssen haften"
  • Umweltbundesamt (Dr. Moriske): "Lüften und tägliche Reinigung sind kein Ersatz für eine nachhaltige PCB Sanierung".  Siehe ZDF TV Interview am 20.11.2016 zu PCB belasteter Schule in München)"

 

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PCB Quellen in Gebäuden

Die PCB gehören chemisch zur Gruppe der chlorierten aromatischen Kohlenwasserstoffe. Die Ausgangsverbindung ist das Biphenyl, das aus zwei miteinander verbundenen Phenylringen besteht, an denen 1 bis insgesamt 10 Chloratome gebunden sein können.

Seit den fünfziger Jahren wurde PCB außer in Kondensatoren von Leuchtstoffleuchten und anderen geschlossenen, d.h. sich ohne Kontakt zur umgebenden Luft vollziehenden, Anwendungen in großem Umfang auch als Weichmacher in einer Reihe offener Anwendungen eingesetzt. Offen angewendete PCB können insbesondere enthalten sein in

 

·         dauerelastischen Fugendichtungsmassen als Gebäudetrennfugen, Bewegungsfugen zwischen Betonfertigteilelementen, Anschlussfugen (Fenster, Türzargen),

·         Glasanschlussfugen an Fenstern oder Fugen im Sanitärbereich (selten),

·         Anstrichstoffen, nach TGL 24452

·         Klebstoffen, nach TGL 24452

·         Deckenplatten (als Weichmacher bzw. Flammschutzmittel), nach TGL 24452

·         Kunststoffen und nach TGL 24452

·         Kabelummantelungen. nach TGL 24452

 Eine der häufigsten Anwendungen in diesem Bereich war die Verwendung als Weichmacher in Fugendichtungsmassen auf Basis eines Polysulfid-Kunstharzes*. Als Weichmacher für Fugendichtungsmassen wurden Produkte verwendet, die 30 bis 60 Gewichtsprozente Chlor enthielten. Diese Weichmacher wurden z. B. unter den Handelsnamen Clophen, Arodor, Kanechlor, Fenchlor u. a. in den Verkehr gebracht". http://www.mtm.de/cont/pcb_nrw_02.htm und  BG Bau)

 

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