PAK

 

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Siehe auch Zusammenfassung aus unserer Schriftenreihe:

Vorkommen, gesundheitlichen Risiken, Richtwerten und Sanierung

 

Grenzwerte - Richtwerte

Messung von PAKs

Hausstaubuntersuchungen - Raumluftmessungen

Interpretation von Messergebnissen bei Schulen und Kitas

Hinweise zur Bewertung

PAKs unter dem Bodenbelag

Rückbau und Entsorgung

PAKs entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Holz, Kohle oder Öl. Allgemein gilt: Je niedriger die Temperatur des Feuers und je weniger Sauerstoff zur Verfügung steht, desto unvollständiger verbrennen die Materialien und desto mehr PAK entstehen. Ein großer Teil der PAK gelangt bereits durch Naturprozesse, wie Waldbrände oder Vulkanausbrüche,  die nicht durch den Menschen beeinflussbar sind in die Atmosphäre.

Auch die von Menschen verursachten Emissionen stammen hauptsächlich aus Verbrennungsprozessen: aus Kleinfeuerungsanlagen, industriellen Prozessen, Feuerstellen oder Tabakrauch.

Zudem ist diese Stoffgruppe ein natürlicher Bestandteil der fossilen Rohstoffe Kohle und Erdöl. Letzteres enthält zwischen 0,2 und 7 Prozent PAK (National Research Council, 2003).

Durch Veredlungsverfahren, wie der Verkokung von Kohle oder der Raffination von Erdöl durch Kracken, entstehen Produkte wie Koks, Teer, Benzine, Wachse oder Öle

Gesundheitliche Bewertung:

Für Mensch und Umweltorganismen sind PAK eine besorgniserregende Stoffgruppe.

Viele PAK haben krebserregende, erbgutverändernde und/oder fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften  

Einige PAK sind gleichzeitig persistent, bioakkumulierend und giftig (toxisch) für Menschen und andere Organismen. Persistent heißt, dass die Stoffe sehr lange in der Umwelt verbleiben und dort kaum abgebaut werden. 

Weitere Informationen zu Vorkommen, gesundheitlichen Risiken, Richtwerten und Sanierung

 

 

Grenzwerte/ Richtwerte

PAK Grenzwerte für die Innenraumluft:

 

Leider gibt es keine definitiven "Grenzwerte" für bereits verbaute Produkte insgesamt bezüglich PAKs -

bei Auseinandersetzungen bezüglich Sanierungen wären Raumluftprüfergebnisse mit Angaben in µg/m³ wünschenswert an Stelle von  "Materialuntersuchungsergebnisse" (µg/kg) einzelner Gebäudekomponenten ohne wirklicher Aussagekraft für die Raumluft.   

"Vorläufige" Richtwerte gibt es derzeit lediglich für Naphthalin und naphthalinähnliche PAKS - ermittelbar über Raumluftmessungen:

Hier empfiehlt die Arbeitsgruppe AIR (Umweltbundesamt) für diese Stoffgruppe in Summe einen

RW I  von 10 µg/m³

RW II von 30 µg/m³

Diese Richtwerte gelten ausdrücklich als Summenwert!

Bundesgesundheitsblatt 10-2013 Seite 1451 und nicht als Einzelrichtwerte für die verschiedenen Gruppen innerhalb dieser leichtflüchtigen PAKS.

Zitat:

"Die adhoc-Gruppe empfiehlt, die für Naphthalin abgeleiteten Richtwerte vorläufig auch als Summenwert für die Gesamtgruppe der bi-und trizyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe zu verwenden." 

Entsprechend sind auch in der Richtwerttabelle http://www.eggbi.eu/fileadmin/EGGBI/PDF/Richtwerte_UBA_AKTUELL.pdfdie Richtwerte der Gesamtgruppe und nicht aufgelistet den einzelnen Stoffen zugeordnet:

Siehe dazu "Tricks von Behörden" (Punkt 12 b)

 

Hausstaubuntersuchung

Bezüglich schwerflüchtiger PAKs orientieren wir uns bei Beratungen nach wie bevorzugt vor an den

Orientierungswerten der AGÖF für Hausstaub

Dazu wichtige Aussage:

"Bei krebserregenden Substanzen, wie Benzol oder Benzo(a)pyren, gilt grundsätzlich das Minimierungsgebot. Hier kann auch bei Unterschreitung der Auffälligkeitswerte eine gesundheitliche Gefährdung durch ein zusätzliches Krebsrisiko nicht ausgeschlossen werden. Auch kann nicht ausgeschlossenen werden, dass sich durch synergistische Wirkungen Effekte unterhalb der Auffälligkeitswerte ergeben. Beispielsweise können beim Vorkommen mehrerer Substanzen mit niedrigen Geruchsschwellen auch unterhalb der Auffälligkeitswerte störende Geruchsbelästigungen auftreten." http://www.agoef.de/orientierungswerte/agoef-hausstaub-orientierungswerte.htmlQuelle AGÖF

Weitere Zitate:

"Anhand der hier vorliegenden Untersuchungen ist in verschiedenen Objekten erkennbar, dass auch staubdicht verbaute PAK-haltige Materialien zu erhöhten Belastungen mit (gasförmigen) PAK-Belastungen führen können. Zu nennen sind Anstriche (zum Teil als Feuchtigkeitssperranstriche unter Putz), Pappen (als Feuchtigkeitsschutz zum Teil unterhalb des Estrich zwischen Mauern und Fundamenten oder unterhalb von Holzkonstruktionen unter Parketten), Asphaltestriche bzw. Vergussprodukte im Fußbodenbereich.

Als krebserregend für den Menschen sind laut MAK-Liste (DFG, 2003) folgende Substanzen bzw. Gemische, die die folgenden Substanzen enthalten, anzusehen: Naphthalin, Benzo(a)anthracen, Benzo(a)pyren, Benzo(b)fluoranthen, Benzo(g,h,i)perylen, Benzo(k)fluoranthen, Chrysen, Dibenzo(a,h)-anthracen und Indeno(1,2,3-cd)pyren." http://www.agoef.de/fileadmin/user_upload/dokumente/publikationen/auszuege-kongressreader/Koehler-Weis-u.a.-2004--Luftgetragene-PAK-Belastungen_in_Innenraeumen-Vorkommen-Bewertungen.pdfQuelle AGÖF

Für einige dieser Stoffe gibt es zwischenzeitlich auch Richtwerte für die Raumluft in µg/m³ - z.B. Naphthalin

und auch einen NIK Wert 

bzw. Grenzwerte für den Arbeitsplatz  (Benzo(a)pyren)

 

PAK Grenzwerte für Bauprodukte

Es gibt aber verschiedene gesetzliche Regelungen, die die Begrenzung von PAK in bestimmten Produkten und in der Umwelt vorschreiben.

Ebenso existieren Vorgaben für bestimmte technische Verfahren, um die PAK Emissionen zu begrenzen.

Ziel dieser Regelungen ist es, PAK-haltige Produkte langfristig zu ersetzen und technische Verbrennungsprozesse zu optimieren, um Mensch und Umwelt zu schützen.

Chemikalienrecht (Reifen, Holzschutzmittel, Gemische für Endverbraucher/-innen)

Die EU-Chemikalienverordnung REACH regelt u. a. die Handhabung von PAK. Laut der Verordnung ist die Abgabe krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe (CMR-Stoffe) an den Endverbraucher generell untersagt. Die Regelung schließt damit die acht PAK mit ein, die schon als CMR-Stoffe eingestuft sind. Sie betrifft aber nur Stoffe oder Gemische, also beispielsweise Farben. Erzeugnisse, wie z. B. Spielzeuge oder Schuhe, sind hiervon nicht betroffen.  (Quelle Umweltbundesamt)

 

Umweltbundesamt

 

„Ab Ende 2015 dürfen Verbraucherprodukte nur noch 1 mg/kg eines der acht krebserregenden PAK enthalten.

Bei Spielzeug und Babyartikeln gilt ein Grenzwert von 0,5 mg/kg.“  Quelle: Umweltbundesamt

Als krebserzeugend eingestufte PAKS (Seite4)

Benzo[a]pyren (BaP),                            CAS:   50-32-8

Benzo[e]pyren (BeP),                            CAS: 192-97-2

Benzo[a]anthracen (BaA),                     CAS:   56-55-3                                                 

Chrysen (CHR),                                      CAS: 218-01-9                                     

Benzo[b]fluoranthen (BbFA),                 CAS: 205-99-2                                     

Benzo[j]fluoranthen (BjFA),                   CAS: 205-82-3

Benzo[k]fluoranthen (BkFA),                 CAS: 207-08-9                                                 

Dibenzo[a,h]anthracen (DBahA)            CAS:   53-70-3                                                 

Bewertung: krebserzeugend, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend

Messmethode: DIN EN 15527:2008-09 

 

Bundesamt für Risikobewertung - Empfehlung

Im Ergebnis der Bewertung wird eine EU-weite Beschränkung der Verwendung und Vermarktung von PAK-belasteten Produkten vorgeschlagen. Konkret empfehlen die deutschen Bewertungsbehörden, den Gehalt jedes der offiziell als krebserzeugend eingestuften acht PAK in Verbraucherprodukten (bzw. in deren Teilen) auf maximal 0,2 mg/kg zu beschränken.

Seite 3 von „Risikobewertung durch das BfR (Bundesamt für Risikobewertung)“!


 

GS Zeichen für Spielwaren

Auf Grund geänderter gesetzlicher Anforderungen und dem wissenschaftlichen  Fortschritt stimmt der deutsche Ausschuss für Produktsicherheit (AfPS) den geänderten PAK-Grenzwerten des freiwilligen GS-Zeichens zu.

Die geänderten Grenzwerte sind ab dem 01. Juli 2015 gültig.(Quelle)

Grenzwert PAK für Bauschutt (Grenzwerttabelle)

 

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Messung von schwerflüchtigen Stoffen wie PAKs

Die VDI empfiehlt bei Verdacht auf PAKs eine Probenahme nach VDI 4300 Blatt 2 (ISO-Norm 160100-12) gegebenenfalls auch 4300- Blatt 12.

VDI Agenda

Gerade bei Schulen und Kitas wird aber sehr oft auf eine normgemäße und umfassende Probenahme verzichtet – häufig begründet mit der tatsächlichen noch aktuellen Diskussion in Fachkreisen bezüglich optimaler Probenahmetechnik.

 

Obwohl derzeit in Fachkreisen und auch innerhalb der Innenraum-Kommission noch sehr vielfältige Diskussionen über eine bestmögliche Messung von PAKs in Innenräumen stattfinden –

eine ausschließliche Beschränkung auf eine Raumluftmessung beispielsweise nur mittels Probenahme auf Tenax kann aber auf keinen Fall eine Aussage über die tatsächliche Belastung zahlreicher schwerflüchtiger Stoffe wie PAKs, Schwermetalle, bringen.

 

 

PAK Hausstaubuntersuchungen- Raumluftmessungen

Nach wie vor wird über die Art der Messung zahlreicher schwerflüchtiger Stoffe in Fachkreisen diskutiert; während die VDI entsprechende Normen der Hausstaubuntersuchung zurückgenommen hat, sehen zahlreiche Forschungsinstitute nach wie vor auch die Hausstaubuntersuchung als eine sinnvolle orientierende Messung bezüglich der Untersuchung auf PAK, Weichmacher, Flammschutzmittel, Schwermetalle und andere...

Wir hatten in der Vergangenheit wiederholt Probleme mit der "Anerkennung" von Prüfberichten zu schwerflüchtigen Stoffen bei Raumluftmessungen, wenn dabei nicht ein nutzungsüblicher Raumzustand erstellt wurde, indem vor und während der Messung die Luft entsprechend "aufzuwirbeln wäre.

Ein vollbelegtes Klassenzimmer ist nicht zu vergleichen mit einem leeren Klassenzimmer/ Raum mit "stehender Luft", gerade diese Stoffe sammeln sich im Bodenbereich und in Nischen (hinter Heizkörpern, unter und auf Schränken...) und werden je nach Zahl der Raumnutzer natürlich erst beim "Gehen, Laufen" aufgewirbelt.

In Kindergärten ist zudem zu beachten, dass sich Kleinkinder vor allem in Bodennähe aufhalten.

Meist findet sich in den Prüfberichten keine oder nur eine unzureichende Beschreibung dieser "Raumvorbereitung".

Mehr Infos zu Hausstaubuntersuchungen

 

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Interpretation von Messergebnissen durch Behörden

Vor allem bei Schulen und Kitas (Beispiel Kita Coppi in Frankfurt/Oder)  wird oft sehr gerne versucht, durch entsprechen "reduzierte" Prüfaufträge mögliche Sanierkosten zu vermeiden.

Die Werte aus meist sehr "vereinfachter, reduzierter Messmethodik" werden dann von den Schulbehörden stets zur allgemeinen Raumluft- Situationsbewertung herangezogen.

Beispielsweise bei so gefundenen - niedrigen – Naphthalin - Werten und völlig ignorierten übrigen- auch schwerflüchtigen, teils krebserzeugende PAKS, wird dann der Schluss gegenüber Eltern und in den Medien kommuniziert –

PAK Werte sind unauffällig!

Oder konkret einem Fall: "Aus den vorliegenden Ergebnissen vom 11.10.2019 leitet sich kein Handlungsbedarf im Sinne der Definition des Richtwertes 1 ab..."

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Hinweise zur Bewertung von Messergebnissen

Grundsätzliche Feststellung:

 

Beim Vergleich von Empfehlungen bezüglich PAK Orientierungs/ Richtwerten ist zu unterscheiden zwischen Hausstaubuntersuchungen mit Angaben mg/kg  und Luftuntersuchungen wie im konkreten Fall  mit Angabe von  ng/m³ (oft auch µg/m³ oder mg/m³)

 

1 Nanogramm  [ng]       = 0,001         Mikrogramm [µg]

1 Nanogramm  [ng]       = 0.000001      Milligramm [mg]

1 Mikrogramm [µg]       = 1.000         Nanogramm [ng]

1 Milligramm [mg]       = 1.000.000     Nanogramm [ng]

 

Weitere Informationen:

 

Sanierung PAKs

Mögliche Gesundheitsrisken in Gebäuden

Gesundheitliche Auswirkungen

Naphthalin

 

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PAKs unter dem Bodenbelag

Der Mensch kann PAK über die Lunge, über die Nahrung und durch direkten Hautkontakt aufnehmen; bei Nichtrauchern spielt die Aufnahme über die Luft in der Regel eine geringe Rolle.

Ein wichtiger Belastungspfad wurde vor mehreren Jahren entdeckt: im Hausstaub aus Wohnungen, in denen vor 1970 Parkett verlegt worden war, fanden sich erhebliche Mengen PAK.

Der Grund der Hausstaubbelastung: bis Ende der sechziger Jahre wurden Bodenbelagskleber, vor allem Parkettkleber, oft aus Stein-kohlenteerpech hergestellt.

Während reine Bitumenkleber in der Regel keine bzw. nur geringe PAK-Belastungen aufweisen, können Teerkleber mehrere Prozent PAK enthalten. Ohne chemische Analyse lässt sich jedoch keine Aussage über die Art der zur Herstellung eines Klebers verwendeten Rohstoffe treffen.

Durch Risse und Fugen in älterem Parkett werden Anteile des Klebers freigesetzt und vermischen sich mit dem Hausstaub.

Bei schadhaftem Parkett, vor allem, wenn sich einzelne Parkettstäbe vollständig gelöst haben, kann der im Laufe der Jahre versprödete Kleber durch Trittbelastung zwischen Parkettstäben und Estrich regelrecht zermahlen werden.

Durch

  • Erschütterungen und
  • Pumpeffekte

wird besonders der sehr feine Staubanteil durch Risse und Fugen an die Fußbodenoberfläche befördert.

https://www.alab-berlin.de/schadstoffe/pak-naphthaline/

 

Dieser "Pump-Effekt" betrifft aber auch die Verbreitung von Schimmelsporen und Schadstoffe aus der Estrichdämmung.  "Pumpeffekt- Fussboden"

Absperrmaßanhmen mit Folien, Lacken bringen keineswegs immer den gewünschten Erfolg - in vielen Fällsen sogar unnötige Mehrkosten:

Beispiel Grundschule Kleve:

 

"Die Nachversiegelung des Parkettbodens in der Grundschule An den Linden mit einer speziellen Versiegelung hat nicht zu dem erhofften Ergebnis geführt. In den Sommerferien wird der Klassenboden komplett heraus gerissen inklusive des PAK-haltigen Klebers (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und des darunter verbauten Estrichs." Pressebericht Juni 2019

Siehe dazu auch "Absperrung statt Sanierung"

 

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Rückbau und Entsorgung

Ein Zusammenfassung von Empfehlungen und weiterführenden Links  finden Sie in unserer Publikation: "Sanierung PAKs" im Kapitel 6.

 

Wertvolle Informationen bietet auch die BG Bau "Sanierung PAK-hatiger Klebstoffe"

 

 

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Es handelt sich hier um die Wiedergabe von uns zur Verfügung gestellten Informationen – Korrekturwünsche werden nach Möglichkeit umgehend berücksichtigt, für die Meldung von sachlichen Fehlern und nicht funktionierender Links sind wir dankbar.

 

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