Trichloramin - Stickstofftrichlorid und Chlorprodukte allgemein

 

siehe auch Natriumhypochlorit

 

Trichloramin

Synonyme: 

Chlorstickstoff

Stickstofftrichlorid


CAS 10025-85-1

 

Stickstofftrichlorid ist eine chemische Verbindung, die zur Gruppe der Stickstoffhalogenide und Chloramine gehört.

Da es sich hier nicht um einen aus Bauprodukten emittierenden Raumschadstoff handelt, kennen wir derzeit dafür keine gesetzlichen Richtwerte, Orientierungswerte für Innenräume.

Der Stoff wird aber freigesetzt beispielsweise beim Einsatz von Desinfektionsmaßnahmen,  hier unter anderem bei der "Reinigung von Fassaden". Bei großflächiger Anwendung kann es dabei auch zu massiver Belastung der Innenräume kommen, vor allem bei sommerlicher Anwendung und offenen Fenstern.

Siehe dazu auch Innenraumbelastungen durch Fassadenprodukte

"Einige Hinweise zur Dosis-Wirkungsbeziehung liegen aus neueren Tierversuchen vor. In Versuchen an Mäusen wurde für die sensorische Reizwirkung im Atemtrakt ein RD50-Wert (Konzentration, bei der die Atemfrequenz auf 50% abgesunken ist) von 2,5 ppm (12,3 mg/ m3) bestimmt.

Er lag in gleicher Größenordnung, wie der für Chlor bestimmte Wert. Jedoch löste NCl3 die maximale Reaktion schon nach 10 min Expositionszeit aus, während Chlor erst nach 45 - 60 min den maximalen Effekt erzielte. Auf der Basis dieser Daten wurde von den Untersuchern vorgeschlagen, für NCl3 einen Kurzzeitgrenzwert von 0,3 ppm (1,5 mg/m3) festzusetzen.

 


Die Wirkung höherer Konzentrationen wurde in einem Versuch an Ratten geprüft, die 1 Stunde gegenüber 58 - 157 ppm NCl3 exponiert waren. Konzentrationsabhängig zeigten die Tiere nach kurzer Zeit Reizung der Augen, massiven Tränen- und Speichelfluß, Schnappatmung, Inaktivität, seltener krampfartige Bewegungen und Absonderungen aus der Nase. Während die niedrigste Konzentration überlebt wurde, verendeten alle Tiere der höchsten Dosisgruppe. Die Autopsie ergab deutliche Lungenschäden (Lungenödem), Aufblähung des Magens, teils auch Veränderungen an anderen inneren Organen. Insgesamt entsprachen die Effekte denen eines Lungenreizstoffes wie Chlor. Die 1 h-LC50 lag bei 112 ppm (ca. 550 mg/m3).
Quelle: Gestis Stoffdatenbank"

Untersuchungen gab es zu den gesundheitltichen Auswirkungen von Trichloramin in der Hallenbadluft:

Zum Schutz vor Reizwirkungen schlägt die Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte deshalb vor, in Anlehnung an die geplante Schweizer Regelung den technisch möglichen Standard von 0,2 mg Trichloramin/m3 einzuhalten. Dieser Wert wird durch den toxikologischen und epidemiologischen Kenntnisstand gestützt. Umweltbundesamt

In einem Presseartikel warnte 2011 die "Welt" unter Berufung auf das Umweltbundesamt vor "Asthma durch Babyschwimmen" bei erhöhten Trichlorminbelastungen.

Umfangreiche Recherchen führte Dr. Christina Schmal im Zuge ihrer Dissertation 

"Bildung, Phasentransfer und Toxizität halogenierter Desinfektionsnebenprodukte im Aufbereitungszyklus von Schwimmbeckenwasser – Schwerpunkt stickstoffhaltige Verbindungen" durch. 

"Oft wird die Exposition mit Trichloramin als Ursache für die Reizung von Augen und des oberen Atmungstrakts (Massin et al. 1998), für den Anstieg verschiedener Biomarker in der Lunge und für die Entwicklung von Asthma vorgeschlagen (Bernard et al. 2006). Hery et al. 1995 fanden, dass Beschwerden bei Bademeistern und Schwimmlehrern ab einer Konzentration von 0,5 mg/m3 NCl3 in der Atmosphäre von Hallenbädern auftraten"

Auch draus lassen sich aber keine ausreichenden toxikologisch begründeten Richtwerte ableiten, feststeht jedenfalls die

sensibilisierende  und reizende Eigenschaft von Chlorstickstoff (Trichloramin),

die unabhängig von noch fehlenden gesetzlichen Grenzwerten für Menschen mit geschwächtem Immunsystem ein wesentliches Problem darstellen können. 

Grundsätzliche Aussagen zu

gesetzlichen Grenzwerten

und Niedrigstkonzentrationen

Bei großflächigem Einsatz von Chlorstickstoff beispielsweise an Fassaden sind jedenfalls die Hausbewohner aufzufordern, Fenster und Türen möglichst geschlossen zu halten", bei besonderer Sensitivität nach Möglichkeit sich vorübergehend möglichst ein Ausweichquartier zu suchen.

 

 

Schwimmbäder:

Chlor und Harnstoff reagieren im Wasser zu Trichloramin. In Hallenbädern wird Trichloramin als „Schwimmbadgeruch“ wahrgenommen.

Die Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte des Umweltbundesamtes hält einen Wert von 0,2 mg/m3 Trichloramin in der Hallenbadluft für toxikologisch unbedenklich. Daher beabsichtigt das Umweltbundesamt (UBA) das technische Regelwerk im Bäderwesen zu ändern. Es ist eine maximal zulässige Trichloramin-Konzentration in der Hallenbadluft von weniger als 0,2 mg/mvorgesehen. Unterstützung erhält das UBA von der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Umweltmedizin der Gesellschaft Pädiatrischer Allergologie (GPA). Textquelle: Allum

Weitere Literaturhinweise:

Trichloramin in Schwimmbädern (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)

Gesundheitliche Bewertung von Trichloramin in der Hallenbadluft (Umweltbundesamt)

Trichloramin in der Schwimmhallenluft  (Bundesinstitut für Sportwissenschaft)

 

 

 

 

 

Natriumhypcohlorit, Chlorbleichlauge

 

Synonym:

Chlorbleichlauge

CAS 7681-52-9 

Stoffgruppe:

122200 Natriuumverbindungen

133230 Hypochlorite, Chlorite, CHlorate, Perchlorate

 

Dieser Stoff wird (kennzeichnungspflichtig) bei Fassadenreinigern eingesetzt und kann zur Bildung von Trichloramin führen.

Zitat zu Natriumhypochlorit:

Für den Menschen ist über schwere Atemwegsreizungen beim Umgang mit NaOCl-haltigen Reinigungslösungen berichtet worden. In allen Fällen waren jedoch sauer reagierende Chemikalien zugesetzt worden, so dass von einer Chlorgas-Freisetzung auszugehen war. [7733]
Auch die orale Toxizität wird aufgrund der lokalen Wirkung des Hypochlorits weniger von der Dosis als von der Konzentration der Lösung bestimmt.

Stechender Geruch

Gefahrenhinweise - H-Sätze:

 

H290: Kann gegenüber Metallen korrosiv sein.
H314: Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden.
H400: Sehr giftig für Wasserorganismen.
H411: Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.

 

 

Quelle: Gestis Stoffdatenbank

 

Zitat eines Herstellers:

Auf der Fassade kann es zudem vorkommen, dass der Inhaltsstoff zusammen mit den Verschmutzungen eine chemische Reaktion eingeht, und sich zum Beispiel (!) Trichloramin bildet.

Zu weiteren möglichen Reaktionen fehlen uns leider ausreichende Informationen der Hersteller und Forschungsergebnisse.

 

Aussagen zu Chlor allgemein

"Chlor ist ein äußerst aggressives und für den Menschen und die belebte Natur hoch toxisches Element. Hervorzuheben ist seine stark oxidierende und halogenierende Wirkung, bei Kontakt mit anderen anorganischen oder auch organischen Stoffen. Dieses sehr reaktive Verhalten ist auf die Elektronenkonfiguration des Chloratoms zurückzuführen: Das Element besitzt sieben Elektronen auf seiner äußeren Hülle (Schale) und, es bedarf nur der Aufnahme eines weiteren Elektrons, um diese Schale in die energetisch günstigste Konfiguration eines Edelgases, mit acht Elektronen, auf der äußeren Hülle zu bringen." Quelle

 

Zurück zum Seitenanfang

 

 

 

 

Es handelt sich hier um die Wiedergabe von uns zur Verfügung gestellten Informationen – Korrekturwünsche werden nach Möglichkeit umgehend berücksichtigt, für die Meldung von sachlichen Fehlern und nicht funktionierender Links sind wir dankbar.

 

Disclaimer und Datenschutz-Hinweis

 

 

 

 

zum Impressum

kostenloses Internet-Informationsportal des Netzwerkes

Europäische Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene

 

beratung@eggbi.eu

Postanschrift:

EGGBI 

Josef Spritzendorfer 

Mitglied im Deutschen Fachjournalistenverband DFJV

 

Geschäftsstelle

Am Bahndamm 16

93326 Abensberg

 

Telefon:

(nur zu den angegebenen Beratungszeiten, siehe "Service")

09443 700 169

Fax:

09443 700 171

 

 

Disclaimer und Datenschutz-Hinweis