"VOC"s als Raumschadstoff

 

 

Siehe auch: Summenangabe "TVOC" als "Bewertungsinstrument" und "Was bedeutet TVOCspez"

 

Aktuelle Bewertungsinstrumente  (Gütezeichen, Zertifikate, auch AgBB) erwecken den Eindruck, bei VOCS handle es sich grundsätzlich um gesundheitsrelevante "Schadstoffe".

Nicht alle VOCs, vor allem viele natürliche Emissionen, sollten aber ohne entsprechenden glaubwürdigen toxikologischen Bewertungen grundsätzlich negativ eingestuft werden.

Für viele Verbraucher bringen zahlreiche natürliche Stoffe, Gerüche absolut gesundheitliche positive Effekte und werden teilweise bekanntlich auch für spezielle medizinische Therapien (z.B. Aromatherapien) eingesetzt.

Die gleichen dabei eingesetzten Stoffe können(!) aber beispielsweise für Duftstoffallergiker "unerträglich" sein.

Viele Stoffe haben aber auch erst gesundheitliche Auswirkungen bei wesentlich überhöhten - bei sachgemäßer Planung und baulicher Umsetzung nicht üblichen- Konzentrationen, die weit über die bei den oben genannten Bewertungen erlaubten Summenwerte hinausgehen. 

Bei Produkt- und Gebäudebewertungen orientiert sich EGGBI daher weniger an pauschalen "Summenwerten", sondern benötigt gerade für die Beratung der ständig zunehmenden Zahl von Allergikern und Chemikalien-Sensitiven vielmehr die Auflistung der "Einzel- Emissionen" um das Risiko negativer Auswirkungen für die Betroffenen möglichst minimieren zu können. 

 

Umfangreiche Informationen zu VOCs finden Sie in der 

EGGBI Zusammenfassung zum Thema "Raumschadstoffe" VOCs 

 

 

 

Lösemittelgehalt TVOCs als "Bewertungsinstrument"

Die meisten Gütezeichen sowohl für Gebäude (Raumluftprüfung) als auch Produkte (Prüfkammeruntersuchungen) reduzieren die "gesundheitliche Bewertung" derselben auf den Gehalt von Lösemitteln (VOCs; Summenwert TVOCs) und Formaldehyd.

Dabei wird mit unterschiedlichen "Grenzwerten" für die jeweiligen Gütezeichen "geworben", die qualitative Endbewertung orientiert sich dann an einem "Summenwert", der eigentlich der wirklichen gesundheitlichen Relevanz meist nicht gerecht wird, da die extrem unterschiedlichen Auswirkungen einzelner Stoffe damit de facto (mit wenigen Ausnahmen) gleichgesetzt werden, auch die möglichen Additionseffekte dieser Stoffe untereinander in keiner Weise berücksichtigt werden (letzteres sicherlich tatsächlich nur sehr beschränkt durchführbar).

Ein diesbezügliches Beispiel stellen natürliche Emissionen beispielsweise aus Holz und Holzwerkstoffen dar (unter anderem natürliche Terpene, Essigsäure), die diesen Summenwerten ebenfalls absolut "gleich" zugerechnet werden, und bereits dazu geführt haben, dass manche Planer (aus gesundheitlicher Sicht unberechtigterweise)

bei Projekten mit Vorgabe besonders niedriger VOC Summenwerte bei Übergabe des Bauprojekts,

sicherheitshalber auf den Einsatz  des seit Jahrtausenden bewährten Baustoff Holz "präventiv" verzichten! (Siehe auch: EGGBI- neue Bewertungsgrundlage für Terpene gefordert)

 

Die Spanne dieser Summen-Höchstwerte liegt dabei in der Regel bei VOCs bei Produktprüfungen 

  • zwischen 100 µg/m³ und 1000 µg/m³ je nach Gütezeichen (und hier wieder je nach Produktgruppe) und 
  • zwischen 300 µg/m³ und 3000 µg/m³ bei Gebäudebewertungen.

Vergessen wird dabei aber auch, dass es zahlreiche weitere Schadstoffe gibt, die bei VOC- und Formaldehyd- Untersuchungen überhaupt nicht festgestellt werden können. Nur sehr wenige "Gütezeichen" (eco-Institut Label, natureplus) beinhalten grundsätzlich weiterführende Untersuchungen wie zum Beispiel  auf hormonell wirksame Flammschutzmittel, EOX/AOX, Phthalate, Isocyanate, Schwermetalle u.v.a. (siehe dazu EGGBI Informationsabfrage für Produktempfehlungen.) 

Die Mehrheit der Gütezeichen verlassen sich bezüglich dieser Schadstoffe auf "Eigenerklärungen der Hersteller" - eine Vorgangsweise die angesichts unserer jahrezehntelangen Erfahrung mit "Herstellerdeklarationen" und Marketingaussagen (Greenwashing) sicherlich nicht nachvollziehbar sein kann.

Bedauerlich, dass manche Gütezeichen  (Beispiel GEV) es den Herstellern aber sogar bezüglich der VOCs verbieten, die Einzelwerte an den Verbraucher weiterzugeben, obwohl gerade bei vielen Allergikern und Chemikaliensensitiven die Einzelstoffbenennungen sehr oft wichtiger wären als die "Summenwerte". 

Dabei handelt es sich bei diesen Emissionswerten ohnedies keineswegs um "vertrauliche" Produktions- Informationen (geheim zu haltende Firmenrezepturen), sondern um Werte, die sich jeder Mitbewerber und Verbraucher auf eigene Kosten jederzeit bei einem entsprechendem qualifizierten Prüflabor besorgen könnte. 

Dadurch entstanden in der Vergangenheit bei manchen Projekten nicht unerhebliche Mehrkosten, wenn bestimmte Produkte auf Kosten des Bauherrn  erst "geprüft" werden mussten (obwohl die Hersteller solche Prüfberichte bereits besassen). Heute können wir glücklicherweise in den meisten Fällen bereits geprüfte "Alternativprodukte" vorschlagen, für die uns aus solchen Prüfungen oder auch von einzelnen Herstellern  (oft gegen "Vertraulichkeitsverpflichtung, Nutzung ausschließlich zur gesundheitlichen Bewertung") Prüfberichte vorliegen.

Neubewertung bisheriger Prüfberichte 

Eine erforderliche "Neubewertung" bisheriger Raumluftprüfungen ergibt sich aus neuen Erkenntnissen zu Carbonsäuren (v.a. Essigsäure, Ameisensäure) nachdem sich erwiesen hat, dass die bisherigen Raumluftprüfungen mit "Tenax" keine ausreichenden Ergebnisse bei diesen Stoffen ergibt. Mit den neuen Prüfmethoden, z.B. auf Silicagel-Trägermaterial ( VDI Richtlinie 4301 Blatt 7 ergeben sich in Einzelfällen bis zu nahezu 3 fache Erhöhungen der festgestellten Werte. Damit ergibt sich eine neue Grundlage für die Einzelbewertung von Stoffen in den Messergebnissen, aber auch unter Umständen wesentlich höhere TVOC Werte.  Siehe "Neue Normen und Bewertungsweisen 2018" 

 

 

Definition Richtwerte 1 und 2  

(erstellt vom Ausschuss für Innenraumrichtwerte, vormals Ad-hoc-Arbeitsgruppe), Umweltbundesamt…):

Richtwert I (RW I)

Der Richtwert I ist die Konzentration eines Stoffes in der Innenraumluft, bei der im Rahmen einer Einzelstoffbetrachtung nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch bei lebenslanger Exposition von empfindlichen Personen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Eine Überschreitung ist mit einer über das übliche Maß hinausgehenden, hygienisch unerwünschten Belastung verbunden. Aus Vorsorgegründen besteht auch im Konzentrationsbereich zwischen RW I und RW II Handlungsbedarf. Der RW I kann als Sanierungszielwert dienen. Er soll nicht ausgeschöpft, sondern nach Möglichkeit unterschritten werden.

Richtwert II (RW II)

Der Richtwert II ist ein wirkungsbezogener, begründeter Wert, der sich auf die toxikologischen und epidemiologischen Kenntnisse zur Wirkungsschwelle eines Stoffes unter Einführung von Extrapolationsfaktoren stützt. Bei dem Richtwert II handelt es sich in der Regel um einen Langzeitwert, er kann aber auch als Kurzzeitwert abgeleitet sein und wird in diesem Fall entsprechend gekennzeichnet (RW IIK). Der Richtwert II stellt die Konzentration eines Stoffes in der Innenraumluft dar, bei deren Erreichen bzw. Überschreiten unverzüglich Handlungsbedarf besteht, da diese Konzentration geeignet ist, insbesondere bei Daueraufenthalt in den Räumen die Gesundheit empfindlicher Personen einschließlich Kindern zu gefährden. Der Handlungsbedarf ist als unverzüglicher Prüfbedarf zu verstehen, z. B. im Hinblick auf Sanierungsentscheidungen zur Verringerung der Exposition. Eine Empfehlung zur Schließung von Räumen kann daher notwendig sein.

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/pdfs/Basisschema_2012.pdf (Seite 280)

 

Wie entstehen diese Richtwerte:

Toxikologisch abgeleitete Bewertungen führen zur Bildung von Richtwerten, die gesundheitsbezogene Fragestellungen beantworten sollen. Im Experiment werden Versuchstiere verschiedenen hohen Substanzkonzentrationen ausgesetzt um die Konzentrationen zu finden, die keine erkennbaren Effekte auslösen. Ein alternativer Ausgangspunkt für die Ableitungen von Richtwerten sind Erfahrungen aus Arbeitsplatzuntersuchungen, bei denen Menschen relativ hohen Konzentrationen ausgesetzt sind. Um die Wirkungen von Expositionen im Niedrigdosisbereich des Innenraums für empfindliche Bevölkerungsgruppen (Kleinkinder, kranke Menschen) abzubilden, wird mit sog. Unsicherheitsfaktoren gearbeitet. Eine detaillierte Darstellung des Vorgehens für die Ableitung von Richtwerten der sog. Ad-hoc-AG wurde 19969 veröffentlicht.

Offene Fragen


Bei diesen toxikologischen Ableitungen bleibt offen, in wieweit unspezifische Gesundheitsstörungen wie Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen etc. in einem Tierexperiment oder bei Untersuchungen an Laborarbeitsplätzen erkennbar sind.

Bei Innenraumbelastungen stellen unspezifische Beschwerden die am häufigsten genannten gesundheitlichen Probleme dar. In der Innenraumluft liegen in der Regel Substanzgemische vor, die durch die toxikologische Ableitung allein nicht bewertet werden können. Die Festlegung von Unsicherheitsfaktoren wie z.B. dem Hundertfachen ist nicht mehr toxikologisch begründbar und beruht auf Konventionen. Der vergleichsweise hohe Aufwand für die toxikologische Begründung ist ein wesentlicher Grund für die geringe Zahl der zur Verfügung stehenden Richtwerte. Dieses Konzept reicht nicht aus, um für die Vielzahl der Substanzen in der Innenraumluft eine gesicherte Bewertung zu ermöglichen. Es ist aber ein wichtiges Hilfsmittel, um die Frage nach gesundheitlicher Gefährdung für die Allgemeinbevölkerung zu beantworten.

Zitiert aus http://www.agoef.de/orientierungswerte/agoef-voc-orientierungswerte.html#c545

 

Weitere Begriffe: NIK und MAK Werte

NIK-Werte sind die niedrigsten toxikologisch interessierenden Konzentrationen (engl.: LCI = Lowest Concentration of Interest) für Innenräume im privaten und öffentlichen Bereich; sie beziehen sich nicht auf Arbeitsplatzbelastungen.

 

MAK-Werte (Maximale Arbeitsplatzkonzentration) beschreiben die höchstzulässige Konzentration eines Arbeitsstoffes als Gas, Dampf oder Schwebstoff in der Luft am Arbeitsplatz, die auch nach täglicher achtstündiger Exposition, jedoch bei Einhaltung einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden, im Allgemeinen die Gesundheit der Beschäftigten nicht beeinträchtigt und diese nicht unangemessen belästigt.

Allgemeine Hinweise zu Grenzwerten, Richtwerten, Definitionen

Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten 

 

VOC Retentionsbereiche

 

 

 

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