Strengere "Richt- bzw. Grenzwerte" für Formaldehyd ?

 

Forderung nach neuen "Grenzwerten", "Richtwerten"

siehe auch  Formaldehyd in älteren Fertighäusern

 

Seit langem fordern internationale Institutionen wie z.B. natureplus strengere Grenzwerte für Formaldehyd - vor allem auch in Schulen und Kindergärten.(Innenraum-Richtwert der Innnenraumluftkommission des Umweltbundesamtes)(siehe dazu natureplus Pressebericht 2006! sowie natureplus Newsletter März 2015)

2006 stellten aber auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Innenraumlufthygiene-Kommission am Umweltbundesamt noch fest: unterhalb von 0,1 ppm  (= 120 µg/m³)  bestünde kein "nennenswertes"(!) Krebsrisiko.

Quelle: Leitfaden für die Innenraumhygiene in Schulgebäuden (UBA, Umweltbundesamt, Seite 53) 

Neue Literaturquellen

Auch mit der Publikation eines "neuen" Bundesgesundheitsblattes im August 2016 als Ergebnis einer Literaturrecherche (kein eigenes Forschungsprojekt) im Auftrag des Umweltbundesamtes 2016 kam es zu keiner wesentlich gesetzlich relevanten "Verschärfung" der empfohlenen Richtwerte,

- offensichtlich statt bisher 120 µg/m³ (0,1 ppm) nunmehr ein Richtwert1 von 100 µg/m³ - 

obwohl auch hier unter anderem eine Studie erwähnt wird, bei der bei Formaldehydkonzentrationen über 60 µg/m³ bereits ein um 39% erhöhtes Risiko von Asthma festgestellt wurde. (Quelle: Rumchev KB, Spicket JT, Bulsara MK,Philips MR, Stick SM;2002:Domestic exposureto formaldehyde significantly increse the the rsik of asthma in young children.Eur Respir J 20:403-406)

In zwei Metaanalysen wurde ebenfalls festgestellt, dass pro 10 µg/m³ Zunahme Formaldehyd eine Erhöhung des Asthmarisikos um 3% bis 17 % (je nach Studienquellen) zu erwarten ist. (Seite 1034 - Bundesgesundheitsblatt- August 2016). 

Nach Auffassung des Ausschusses sollte eine Konzentration von 100 µg Formaldehyd/m³ Innenraumluft auch kurzzeitig, bezogen auf einen Messzeitraum von einer halben Stunde, nicht überschritten werden, da bei empfindlichen Personen oberhalb dieser Konzentration eine sensorische Reizwirkung auftreten könnte - diesen Wert als Interventionswert für Schulen festzulegen, in denen Kinder, aber auch Lehrer viele Stunden am Tag verbringen, erscheint uns nicht nachvollziehbar. (Seite 1044-UBA)

Siehe dazu auch "Glaubwürdigkeit gesetzlicher Grenzwerte"

Besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass sich erhöhte Formaldehydwerte nicht nur in Fertighäusern älterer Generation - sondern immer wieder auch in Kitas und Schulen - selbst in Neubauten  findet, und damit die Gesundheit der Kinder  auf unverantwortliche Weise aufs Spiel gesetzt wird. (Siehe Presseberichte zu Belastungen in Schulen und Kitas)

 

Grundsätzlich in Frage zu stellen sind spätestens seit der Einstufung von Formaldehyd  als  "krebserzeugend" unter Berücksichtigung optimaler Präventionssorgfalt  dazu auch zahlreiche "Grenzwerte" diverser Gütezeichen (und somit  auch "gesundheitliche Bewertungen" diverser bauaufsichtlicher Zulassungen z.B. für Bodenbeläge): 

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Aktuelle Richt und Orientierungswerte für Innenraumluft und Bauprodukte

Formaldehyd (CAS 50-00-0)

Synonima:

Methanal; Formalin; Methanal Methylaldehyd; Methylenoxid; Oxomethan; Formylhydrat; Ameisensäurealdehyd; Ameisenaldehyd; Formalin[1]/Formol (35- bis 37-prozentige Lösung von Formaldehyd mit Methanol als Anti-Polymerisationszusatz)

(Quellen: AGÖFTÜV S-Cert; eco Institut; siehe auch BNB und LEED)

 

 


Weitere Aussagen zu Formaldehyd in der Raumluft:

"Ausgehend von einer NOAEC von 0,63 mg/m3 für Reizwirkungen beim Menschen, eines Faktor von 1 für die Zeitextrapolation sowie eines Faktor von 5 für die interindividuelle Variabilität leitet der Ausschuss einen Richtwert I (Vorsorgewert) von 0,1 mg Formaldehyd/m3 Innenraumluft ab. Nach Auffassung des Ausschusses sollte die Konzentration von 0,1 mg Formaldehyd/ m3 Innenraumluft auch kurzzeitig, bezogen auf einen Messzeitraum von einer halben Stunde, nicht überschritten werden." Bundesgesundheitsblatt 2016 · 59:1040–1044

 

Konzentrationen größer 0,06 mg/m³ (=60 µg/m³ = 0,05 ppm) als 24 h Mittelwert bzw. größer 0,1 mg/m³ (=100 µg/m³) als Kurzzeitwert geben dabei zu Besorgnis Anlass. Anzumerken ist, dass die Konzentration an Formaldehyd stark von Temperatur und Luftfeuchte abhängig ist. (IBO Wien)

Die vor allem bei Formaldehydproblemen an Schulen, Kitas gerne angeführte "Unterschreitung des "Grenzwertes" von 100 µg/m³ (in vielen Fällen wird von nicht informierten "Gutachtern und gesundheitsämtern wird noch immer von einem inzwischen überholten Richtwert von 124 µg/m³ gesprochen) muss in Zusammenhang gebracht werden, dass dieser Wert als "Kurzzeitwert" zu definieren ist  (WHO) und daher nicht für permanente Belastungen in Klassenzimmern toleriert werden sollte.

 

 

Strengere Anforderungen  bei Gütezeichen in den USA und  Frankreich 

"US GBC operates a list of common low VOC rating systems that allow showing product compliance. Some of them are directly compliant, such as the Indoor Air Comfort GOLD program; other ones are compliant only if the test report shows low formaldehyde emissions of max. 10 µg/m³ after 28 days the reference room, in line with the French A+ class. The list of compliant rating systems can be seen on the US GBC website"..(Quelle)

 

(Quellen- Stand 12/2016: Eurofinsnatureplus;  eco InstitutTÜVIBR; EU EcoLabel;  französische VOC VerordnungBlauer Engelhttps://produktinfo.blauer-engel.de/uploads/raluz_uz/UZ-076-2016.zipGoldenes M;)

 

Besonders bedauerlich finden wir die völlig unverständliche Grenzwerterhöhung beim Blauen Engel

RAL UZ 76  (Holzwerkstoffe, OSB Platten) 2016 von 60 µg/m³ auf 80 µg/m³

 

RAL-UZ 76       bis 2016         ab 2016

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Ab 2015 ist Formaldehyd zwar bei den AgBB Bewertungen mit aufgenommen werden - strittig ist die Frage, ob der ermittelte Wert tatsächlich präventiven gesundheitlichen Anforderungen entsptricht - siehe Vergleichswerte international. 

Änderung/Ergänzung zum AgBB Schema 2015

Die Bewertung einiger VVOC wurde im AgBB-Schema aufgenommen. Neu in der NIKListe 2015 ist die Aufnahme von Formaldehyd mit einem NIK-Wert von 100 µg/m³. Für weitere VVOC (Aceton, Butanal und Acetaldehyd), die mit der DNPH-Methode quantifiziert werden können, wurden NIK bzw. EU-LCI Werte abgeleitet/übernommen. VVOC mit NIKWerten sind in die R-Wertbildung rechnerisch einzubeziehen, werden aber nicht in der Bildung des TVOC-Wertes berücksichtigt. 

Eine Ausnahmeregel gilt für kanzerogene Stoffe der EU-Kategorie 1A und 1B, wenn für sie hinsichtlich des empfindlichsten Endpunktes ein Schwellenwert abgeleitet werden kann, bei dem kein krebserzeugendes Potential mehr anzunehmen ist.  (Quelle)

Mit Wegfall der AgBB Prüfungen seit Ende 2016 auf Grund des Urteils des Europäischen Gerichtshofes bleibt die Frage offen, welche Werte zukünftig möglicherweise das dann "zuständige" C Zeichen vorgeben wird.

 

Zitat:

Neue Einstufung von Formaldehyd im EU-Chemikalienrecht

 

Das AgBB-Schema kappt die Emission von krebserzeugenden Stoffen, die nach EU-Chemikalienrecht eine harmonisierte Einstufung als nachweislich oder wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen zugewiesen bekommen haben, bereits bei der Nachweisgrenze.

Zitat Umweltbundesamt:

Um die Neueinstufung von Formaldehyd als "wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen" ab 1.1.2016  (Verordnung (EU) Nr. 605/2014 und Verordnung (EU) 2015/491)

sachgerecht berücksichtigen zu können, ist ein NIK-Wert für Formaldehyd erforderlich.

Formaldehyd emittiert aus vielen Bauprodukten in geringen Mengen. Etwas bis deutlich höhere Emissionen entstehen durch die Verwendung von Formaldehydharzen in der Rezeptur. Diese Emissionen sind unbedenklich, solange sie gemeinsam mit anderen Quellen im Innenraum unterhalb der Wirkschwelle von Formaldehyd bleiben.

Ein NIK-Wert auf der Grundlage der neuesten Erkenntnisse stellt sicher, dass die Besonderheiten von Formaldehyd – seine Wirkschwelle, seine ubiquitäre Verbreitung und seine diversen Quellen – zeitgemäß und fachlich korrekt im AgBB-Schema Berücksichtigung finden. Nach Chemikalienverbotsverordnung begrenzt sind bereits die Formaldehydemissionen aus Holzwerkstoffen.

 

Auch bei Holzwerkstoffen ist eine Anpassung der Prüf- und Bewertungskriterien an die des AgBB-Schemas geboten, um den Stand der Technik und Wissenschaft angemessen zu berücksichtigen. 

Umwelt- und gesundheitsverträgliche Bauprodukte (UBA September 2015)

Hinweis; Carc 1B bedeutet: dass die krebserregende Wirkung im Tierversuch nachgewiesen wurde und beim Menschen wahrscheinlich ist. Die Einstufung erfolgt überwiegend aufgrund von Nachweisen bei Tieren. Formaldehyd war bisher in Deutschland nur  "mit dem Verdacht auf karzinogene Wirkung" bzw. als „möglicherweise krebserregend“in Kategorie 3 nach 67/548/EWG (alte Kennzeichnung) und Kategorie 2 nach EG 1272/2008 (neue Kennzeichnung) eingestuft. Quelle

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Unterstützung bei der Forderung nach strengeren Grenzwerten  erwarten wir daher bereits kurzfristig aus der Neueinstufung von Formaldehyd im Hinblick auf die gesundheitlichen Risiken (Bewertung NEU)  durch die EU Kommission ab 2015.

Zitat:

Die lang diskutierte Neueinstufung von Formaldehyd wurde mit der Verordnung EU 605/2014 der Kommission vom 5. Juni 2014 zur Änderung der Verordnung EU  1272/2008 (CLP-V) veröffentlicht:

Ab dem 1. April 2015 wird der Anhang VI dieser Verordnung dahingehend geändert, dass Formaldehyd als Carc. 1B und Muta. 2 gekennzeichnet werden muss. Laut dieser Verordnung darf die harmonisierte Einstufung von Formaldehyd  bereits ab sofort verwendet werden.

Sehr unterschiedlich sieht derzeit noch die Bewertung von Formaldehyd  bei verschiedenen Zertifikaten, aber auch nationalen Gesetzen, Richtwerten  und Empfehlungen aus.

Weitere Beispiele International

AgBB im internationalen Vergleich

Einstufung für Möbel: 

Russland

Goldenes M

 

Strenge Anforderungen an die Formaldehydwerte in der Raumluft International:  (Aufstellung auf Seite 11 der Präsentation "Consens")

Definition für "sehr gute Raumluft":

Frankreich (VGAI = Valeur de qualité d`air interieur=Innenraum Richtwert, Langzeit)  10 µg/m³;

Kalifornien (CREL = Chronic Reference Exposure Level, Langzeit) 9 µg/m³

"befriedigend":

Frankreich (VGAI Kurzzeit)  50 µg/m³

Kalifornien (REL, 8 Std.) 55 µg/m³

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AgBB und Formaldehyd

 

Bis März 2015 hatten die AgBB Richtlinien (unter anderem als Grundlage für zahlreiche bauaufsichtliche Zulassungen) auf Grenzwerte für Formaldehyd verzichtet  - sie definierten aber   einen generellen Grenzwert für kanzerogene Stoffe (allerdings in den Richtlinien "wörtlich" und inhaltlich kaum nachvollziehbar nur für VOC/SVOC).

Zitat AgBB:

Kanzerogene Stoffe: Es findet eine erneute Überprüfung der Abgabe von kanzerogenen Stoffen der EU-Kategorie 1 und 2 bzw. 1A und 1B unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Bedeutung für den Raumnutzer statt. Nach 28 Tagen darf kein Kanzerogen der EU-Kategorie 1 und 2 bzw. 1A und 1B 0,001 mg/m³ übersteigen.

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/355/dokumente/agbb-bewertungsschema_2012.pdf

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/355/dokumente/agbb-bewertungsschema_2015_2.pdf

 

Der Ausschluss von VVOC erschien uns uns gerade im Bezug auf Formaldehyd  keinesfalls  nachvollziehbar, da wir gesundheitsgefährdende Konzentrationen von Formaldehyd selbst noch nach 30 Jahren in Fertighäusern älterer Generation  (verursacht durch Spanplatten) feststellen mussten.

Würde diese  AgBB Anforderung aber generell für VOC  (auch VVOC)  gelten, würde dies bedeuten, dass künftig für Formaldehyd ein wünschenswerter Grenzwert von 10 µg/m³ (= französisches VOC Label, Klasse A+; liegt realistischer Weise wesentlich über den üblichen natürlichem Formaldehydgehalt von unbehandeltem Holz) ohnedies bereits festgelegt wäre!

Neuregelung ab

März 2015: 

An einer  fragwürdigen Ausnahme für Formaldehyd  (wesentlich "freundlichere" Behandlung als die natürlichen Holzbestandteile "Terpene") ändert auch die  Neufassung des AgBB Schemas 2015 nicht ausreichend:

Obwohl ab 1.4.2015 als Cancerogen der Gruppe 1B (H350)  und mutagen 2 (H341) kennzeichnungspflichtig, wurde hier eine bemerkenswerte Ausnahme gemacht:

"Formaldehyd: Cancerogene der Gruppen 1a und 1 b  dürfen zwar nach Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 nach 3 Tagen nicht mit mehr als 10 µg/m³ sowie nach 28 Tagen nicht mit mehr als 1 µg/m³ emittieren - Formaldehyd inzwischen als Cancerogen der Kategorie 1b eingestuft wird, fällt aber nicht in die Bewertung der Cancerogene. Hier wurde ein NIK-Wert von 100 µg/m³ festgesetzt."

Es bleibt zu hoffen, dass es sich bei dieser „Ausnahme“ nur um eine vorübergehende Positionierung handelt und sich – analog wesentlich anderslautender internationaler Richt- und Grenzwerte für Formaldehyd auch in D bereits mittelfristig wesentlich strengere „Grenzwerte“ für einen nach wie vor sehr relevanten Innenraumschadstoff mit mutagener und krebserzeugender Eigenschaft durchsetzen können. (Siehe auch offensichtlich vergebliche Hoffnung auf besseren Verbraucherschutz: "Die Baubiologen Hamburg")

 

 

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Blauer Engel und andere Gütezeichen

Hier findet sich  in den meisten Basiskriterien bereits unter "allgemeinem Stoffverbot", "allgemeinen stofflichen Anforderungen"  derzeit noch(!) immer:

ein genereller Ausschluss  von Stoffen mit der Einstufung H350 bzw. R45.(Beispiel Blauer Engel für Linoleum: RAL UZ 120 - Seite 5) - dies würde "Formaldehydhaltige Produkte" generell ausschließen.

Da ein solcher grundsätzlicher Ausschluss gerade für Naturbaustoffe  (vor allem Holz) nicht realistisch und sinnvoll wäre (siehe "natürliches" Formaldehyd) wird hier eine generelle Überarbeitung dieser Richtlinien unumgänglich sein - für den Verbraucher wird dies aber nur nachvollziehbar werden, wenn die als "Ausnahme" zu bezeichnenden Formaldehydgrenzwerte glaubwürdig entsprechend der unbestrittenen grundsätzlichen Toxizität auf ein Mindestmaß (analog natürlichem Formaldehydanteil von Naturprodukten) reduziert werden. 

Eine eventuelle "Interpretation", diese Stoffverbote  bei diversen Gütezeichen bezögen sich nur  auf "zugesetzte Stoffe" (Formaldehyd wird üblicherweise nicht als Stoff zugesetzt) erscheint für den Verbraucher gewiss nicht nachvollziehbar - ihn interessiert sicherlich ausschließlich, welche gesundheitsschädlichen Stoffe aus einem Bauprodukt "herauskommen", und nicht deren Herkunft.  

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Gesundheitliche Auswirkungen

Humantoxische Bewertung (Zitate):

Wirkungsmechanismus:

- Die lokale Reizwirkung, akute und chronische Schädigungen an direkt kontaktierten Geweben und die genotoxischen Eigenschaften werden auf die hohe Reaktivität des Moleküls zurückgeführt [C - 4 / Greim / 2000 S. 1].

- Bei akuten Intoxikationen kann sich durch schnelle Umsetzung von F. zu Formiat eine metabolische Azidose ausbilden [D – 296 / Pandey / 2000].

- Die Auslösung der allergischen Reaktionen vom Typ IV wird wahrscheinlich durch Reaktion von F. mit Proteinen der epidermalen Langerhans-Zellen vermittelt [C - 70 / ACGIH / 2001 S. 14].

- Die im Tierversuch beobachtete Tumorbildung in der Nase wird primär mit der zytotoxischen Wirkung des F. und der hierdurch verursachten Steigerung der Zellproliferation, die mit einer erhöhten Zahl an DNA-Protein-Crosslinks korreliert, in Zusammenhang gebracht. Dieser Mechanismus wird auch für den Menschen als wahrscheinlich angesehen [C - 4 / Greim / 2000 S. 3, 32]. Neben der Typ IV-Reaktion wurden auch allergische Reaktionen vom Typ I (unspezifische IgE-Antikörper) und vom Typ II (F.-spezifische Antikörper) beobachtet. F.-Antikörper fand man bei Patienten, die bei medizinischer i.v.-Behandlung wiederholt Spuren von F. aufnahmen.

Ein Fallbericht beschreibt eine anaphylaktische Reaktion bei einer Person mit Kontaktdermatitis nach parenteralem F.-Kontakt. Aus beruflicher Erfahrung wurde berichtet, dass akute allergische Reaktionen meist durch Exposition über den Luftweg induziert und hauptsächlich an der Gesichtshaut sichtbar werden (periorbitales Ödem), während die chronische Form sich bevorzugt als Ekzem an Händen und Armen manifestiert. [C - 70 / ACGIH / 2001 S. 14]

Risikogruppen:

- Asthmatiker

- Personen mit signifikanten Lungenfunktionsstörungen aufgrund chronischer Lungenerkrankungen

- Personen mit chronischen Hauterkrankungen oder akuter Dermatitis [C - 24 / NIOSH / S. 2]

- Personen mit bestehender Sensibilisierung gegenüber F. [C – 140 / NEGCD / Nr. 2003:11 S. 48] 

Weiterführende

Links:

http://www.noxen.de/publik/12/wirk.html 

http://www.noxen.de/publik/12/wert.html

 

Formaldehyd in Schulen, Kitas

(siehe dazu auch Auflistung von Schadstoffbelastungen an Schulen und Kitas)

 

Erstaunlich, dass es  immer sogar "offizielle Aussagen" gibt, die gerade bei Schulen, Kitas eine gesundheitliche Gefährdung durch Formaldehyd in der Raumluft  bei Einhaltung und/oder leichter Überschreitung der Grenzwerte (ebenso wie z.B.bei PCB) grundsätzlich in Frage stellen. (Beispiele)

"Gesundheitliche Spätfolgen durch das Formaldehyd seien nicht zu erwarten.....  Bei leichten Überschreitungen der Grenzwerte wie beispielsweise in der Nieskyer Oberschule sei der Schadstoff in der Raumluft über seinen Geruch wahrnehmbar und könne zu leichten Symptomen wie Kopfschmerzen führen. Krebserregend wirke das Formaldehyd aber erst in höheren Konzentrationen.

Es sei auch umstritten, ob allergische Reaktionen auf den Stoff über die Luft ausgelöst werden könnten.(???)

Sicher sei lediglich, dass dies bei Hautkontakt möglich ist." Pressebericht Oktober 2016

 

 

 

Eco Institut:      Formaldehyd wird in der EU als krebserzeugend 1B und mutagen 2 eingestuft (ab 1.April 2015)

Toxcenter:        Schädigung der Atemorgane (Seite 7)   Kinder extrem empfindlich  (Seite 11)

 

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Kennzeichnung von Holzwerkstoffplatten nach Formaldehydgehalt

Seit 2012 gibt es noch eine zusätzliche Kennzeichnung für unbeschichtete, beschichtete oder furnierte Holzwerkstoffe:

E1 Plus

 F 0

Der Holzwerkstoff wurde mit formaldehydfreien Klebern hergestellt. (Das stattdessen verwendete Bindemittel enthält gebundene Isocyanate; diese werden in der gebundenen Form als ungefährlich angesehen; sie sind jedoch in Produktion und Verarbeitung problematisch)

 E1

Das Material lässt unter festgelegten Bedingungen (s.u.) nicht mehr als 0,1 ppm Formaldehyd in der Raumluft entstehen.

 E2

Das Material lässt unter festgelegten Bedingungen nicht mehr als 1,0 ppm Formaldehyd in der Raumluft entstehen.

 E3

Das Material lässt unter festgelegten Bedingungen nicht mehr als 1,4 ppm Formaldehyd in der Raumluft entstehen

 

 E1 Plus

Diskutiert(?) seit 2012 

Grenzwert  80 µg/m³ (entspricht 0,065 ppm) Siehe auch Link 1 Link 2 Link 3  Link 4

Auch E1 Plus entspräche nicht den Anforderungen der meisten "Gütelabels".

Einen Überblick über die aktuellen Kennzeichnungen (Seite 19) sowie weitere Infos zu Formaldehyd finden Sie in einer Präsentation von Dr. Zwiener auf "wecobis" : Formaldehyd in Bauprodukten und der Innenraumluft

Weitere Infos zur Kennzeichnung

 

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"Natürliches Formaldehyd"

Auch unbehandeltes "Naturholz" emittiert geringe Mengen von Formaldehyd, die allerdings in der Regel aus gesundheitlicher Bewertung  nicht für das Raumklima als relevant betrachtet werden.

 

ZItat:

"Die nachfolgende Auflistung zeigt die Formaldehydabgab von natürlich gewachsenem Holz- Fie Emissionswerte sind bei allen Holzarten derart gering, dass sie für die belastung von Innenräumen vernachlässigt werden können. (Werte liegen im ppb Bereich: 1 ppb = 0,001 ppm. E1 Richtwert im Vergleich: 0,1 ppm!       Die in der Literatur (1) angegebenen Werte für Formaldehyd-Abgabe von natürlich gewachsenem Holz in der Prüfkammer sind nach DIN V ENV 717-1 zwischen 0,009 ppm bei Eiche und bis 0,002 bei Buche; Douglasie, Fichte und Kiefer liefern Werte zwischen 0,003 und 0,004 ppm."

1) Meyer, B. und Boehme, C. 1994: Formaldehyd-Abgabe von natürlich gewachsenem Holz. Holz-Zentralblatt 120, 1969ff    Quelle)

 

"Die nachfolgende Auflistung zeigt die Formaldehydabgabe von natürlich gewachsenem Holz. Die Emissionswerte sind bei allen Holzarten derart gering, dass sie für die Belastung von Innenräumen vernachlässigt werden können. (Werte liegen im ppb Bereich: 1 ppb = 0,001 ppm. E1 Richtwert im Vergleich: 0,1 ppm! 

Quelle   Seite 17 von "Holzwerkstoffe in Innenräumen" (technische Dokumentation der LIGNUM)

 

 

 

 

und Formaldehyd Emission from solid wood

 

Kritische Raumbelastungen entstehen vor allem durch den Einsatz von formaldehydhaltigen Klebern und Lacken -  seit vielen Jahren fordert natureplus auf Grund der Einstufung als "krebserzeugend" bereits strengere Grenzwerte für Formaldehyd. (Pressedienst).

 

Aussagen  und Gütezeichen beispielsweise zu vollkommen "formaldehydfreien" Holzprodukten sind daher grundsätzlich sehr kritisch zu hinterfragen. (Richtig wäre:"formaldhydfrei verleimt").

 

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